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Panorama Käsefirma soll von Bakterienbefall gewusst haben
Nachrichten Panorama Käsefirma soll von Bakterienbefall gewusst haben
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21:59 17.02.2010
Von Mathias Klein
Sechs Menschen waren nach dem Verzehr von Harzer Käse der Firma Prolactal gestorben. Quelle: dpa
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Am Dienstag war bekannt geworden, dass nach dem Verzehr von Harzer Käse der Firma Prolactal aus der Steiermark in Deutschland und in Österreich insgesamt sechs Menschen gestorben sind. Die Todesfälle hatten sich bereits im vergangenen Jahr ereignet. Prolactal und der Discounter Lidl, der den Käse verkauft hatte, starteten Ende Januar eine Rückrufaktion in Deutschland und Österreich. Lidl hatte den Käse „Reinhardshof, Harzer Käse“ und „Reinhardshof, Bauernkäse mit Edelschimmel“ aus den Regalen genommen.

In dem Betrieb sei mit den hygienischen Bestimmungen „schlampig“ umgegangen worden ,berichtete die österreichische Nachrichtenagentur. Nach den ersten zu hohen Werten sei in dem Betrieb intensiv, aber erfolglos nach der Ursache für die Kontamination mit den gefährlichen Bakterien gesucht worden. Die Käsefirma dementierte, dass schon viele Tage vor der Rückrufaktion erhöhte Werte festgestellt worden seien.

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Unterdessen haben die Todesfälle in Österreich politische Folgen. Eine Oppositionspartei forderte am Mittwoch den Rücktritt von Gesundheitsminister Alois Stöger. Der Vorwurf: Der Politiker habe schon länger von der Bakterienverseuchung des Käses und den Todesfällen gewusst, die Öffentlichkeit aber zu spät informiert.

Die beiden Todesfälle in Deutschland hat es in Baden-Württemberg gegeben. Der Sprecher des dortigen Ernährungsministeriums berichtete, die beiden seien über 70 Jahre alt gewesen und hätten Vorerkrankungen gehabt. Sie seien bereits Ende des vergangenen Jahres gestorben. Bei der Suche nach der Todesursache seien dann bei beiden das identische Produkt auf alten Einkaufszetteln gefunden worden. Gerichtsmediziner hätten daraufhin die Todesursache einwandfrei festgestellt.

In Österreich waren Männer im Alter von 57, 61, 84 sowie 88 Jahren gestorben, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministerium in Wien mit. Sie alle hätten unter Vorerkrankungen gelitten.
Am Mittwoch warnte Lidl-Sprecherin Petra Trabert erneut vor dem Verzehr des Käses. „Die Produkte sind aber in allen Läden schon bei der Rückrufaktion Ende Januar aus den Regalen genommen worden“, sagte die Sprecherin.

Unterdessen sind in Mecklenburg-Vorpommern zwei Menschen durch mit Bakterien belasteten Käse aus Österreich erkrankt. Sie mussten über einen längeren Zeitraum in Krankenhäusern behandelt werden. Inzwischen gehe es ihnen wieder besser, teilte eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Rostock am Mittwoch mit.

Die Sprecherin in Rostock sagte über die Erkrankten: „Wir gehen davon aus, dass beide den Rohmilchkäse genossen haben.“ Der aus Österreich gemeldete Bakterienstamm stimme mit dem Befund im Blut der beiden Patienten überein. Die österreichische Herstellerfirma der Käsesorten hat eine Hotline für besorgte Konsumenten eingerichtet. Die Telefonnummer ist allerdings nur von Österreich aus zu erreichen.

In Niedersachsen hat es bislang keine Erkrankungsfälle im Zusammenhang mit Harzer Käse der Handelskette Lidl gegeben. Das teilte der Sprecher des Sozialministeriums, Thomas Spieker, am Mittwoch in Hannover mit. Bundesweit hat es im vergangenen Jahr nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 35 Todesfälle durch Listerien gegeben, im Jahr 2008 waren es 30.