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Panorama Käßmann-Nachfolge ist noch offen
Nachrichten Panorama Käßmann-Nachfolge ist noch offen
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15:43 26.02.2010
Die Nachfolge der bisherigen EKD-Ratsvorsitzenden und hannoverschen Bischöfin Margot Käßmann ist noch nicht geklärt. Quelle: ap

Nun müssen die Protestanten Kapitän und Kurs neu bestimmen: Nach dem plötzlichen Rücktritt von Margot Käßmann sucht die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) einen neuen Spitzenrepräsentanten. Dies kann nach den beiden markanten Gesichtern des Protestantismus, Wolfgang Huber und Margot Käßmann, erneut eine Galionsfigur oder ein ruhigerer Vertreter sein. Der kommissarische EKD-Chef, der rheinische Präses Nikolaus Schneider, hat den politisch engagierten Kurs von Käßmann bereits aufgegriffen. Auf der Ratstagung der EKD von Freitag bis Samstag in Tutzing ist eine Weichenstellung bereits denkbar - möglicherweise zugunsten Schneiders.

Schon kursieren die Namen einiger Bischöfe, die teils bereits vor der Wahl von Käßmann im Herbst als weitere Kandidaten gehandelt wurden - Johannes Friedrich in München, Sachsens Bischof Jochen Bohl oder der badische Landesbischof Ulrich Fischer etwa. Da ein klarer Favorit anders als bei der Entscheidung für Käßmann nicht erkennbar ist, stellt sich allerdings die Frage, ob die Kirche sich vor der Wahl im November die Arbeit einer Konsensfindung aufbürden möchte. Abgewogen werden müssten neben regionalen auch konfessionelle Aspekte - trotz Bemühungen um eine bessere Kooperation der lutherisch und uniert geprägten Kirchen gibt es hinter den Kulissen weiter Konfliktstoff.

Mit Käßmann war eine Modernisiererin und erstmals überhaupt eine Frau an die EKD-Spitze gewählt worden, außerdem kam mit ihr nach längerem wieder der lutherische Flügel in den Genuss des Spitzenamtes. Ob diese Aspekte nun erneut Berücksichtigung finden sollen, ist unklar. Während der Amtszeit von Wolfgang Huber hatte es im Kirchenparlament - der Synode - Unmut über allzu eigenmächtiges Agieren des Ratsvorsitzenden gegeben. Und mit der Wahl von Käßmann rückte erneut ein dominierender Charakter nach. Eine Person des Ausgleichs käme dem Wunsch etlicher Synodaler entgegen.

Johannes Friedrich (61) steht an der Spitze der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD) mit rund acht Millionen Gläubigen. Er gilt als liberaler Protestant und profilierter Theologe, der sich als „Brückenbauer“ innerhalb und außerhalb der Kirche versteht. Mit ihm bliebe der Ratsvorsitz in lutherischer Hand. Der badische Landesbischof Fischer (61) hingegen hat den Vorsitz der Union Evangelischer Kirchen (UEK), des unierten Flügels, zu dem rund die Hälfte der evangelischen Christen gehören. Er hat sich als Mann des Ausgleichs und der ökumenischen Zusammenarbeit einen Namen gemacht. Sachsens Bischof Bohl (59) ist ein politischer Kirchenmann. Kaum einer seiner Amtskollegen äußert sich zu grundlegenden Gesellschaftsfragen so akzentuiert, wie der gebürtige Westfale.

Mit einer frühzeitigen Weichenstellung zugunsten von Nikolaus Schneider ersparte sich die Kirche ein Personalkarussell an ihrer Spitze mit vier unterschiedlichen Gesichtern binnen Jahresfrist. Der 62-Jährige ist bekannt für sein soziales wie politisches Engagement und könnte in dieser Hinsicht in Käßmanns Fußstapfen treten. In der Vergangenheit kritisierte er mehrfach Entscheidungen aus Politik und Wirtschaft - etwa zu den Themen Finanzkrise, Umweltschutz oder Afghanistan. Schneider blieb stets seinem Motto treu, „den Sorgen der Menschen Ausdruck und eine Stimme geben“ zu wollen - ein Mensch mit Bodenhaftung wie Käßmann.

Schneider selber äußerte sich zu seinen Ambitionen nicht und hielt sich an die für Ratsvorsitz-Aspiranten übliche Zurückhaltung: Wenn er gefragt würde, werde er sich damit auseinandersetzen, meinte er. Als kommissarischer EKD-Chef könnte er bis dahin von einer Probezeit profitieren. Die drängenden Probleme in der evangelischen Kirche sprechen unterdessen für eine zügige Klärung der Führungsfrage. Die schrumpfende Zahl von Gläubigen und rückläufige Finanzen zwingen die Kirche zu Strukturreformen - andererseits ist sie auf ein erkennbares Profil in der Öffentlichkeit angewiesen.

dpa

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