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Panorama Käßmann kehrt auf die große Bühne zurück
Nachrichten Panorama Käßmann kehrt auf die große Bühne zurück
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06:15 30.04.2012
Von Michael B. Berger
Foto: Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann wird Luther-Botschafterin.
Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann wird Luther-Botschafterin. Quelle: dpa
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Berlin

Botschafter hatte bislang nur der Papst. Jetzt, 500 Jahre nach der Reformation, bekommt auch sein historischer Widersacher Martin Luther eine Botschafterin, noch dazu eine sehr prominente. Margot Käßmann, bis Anfang 2010 Hannovers Landesbischöfin, kehrt am Freitag auf die ganz große Bühne zurück. In einem feierlichen Gottesdienst in Berlin wird sie als „Luther-Botschafterin“ für das Reformationsjubiläum 2017 eingeführt.

Die Auferstehung Käßmanns als öffentliche Figur folgt einer Phase des Rückzugs. Nach jener Fahrt, die Käßmann Anfang 2010 den Führerschein kostete und alle kirchenleitenden Ämter, hatte sie sich zunächst zu einem Studienaufenthalt in die USA zurückgezogen, bevor sie im vergangenen Jahr eine Gastprofessur in Bochum antrat. Durch ihren entschlossenen Rücktritt ist die heute in Berlin lebende Theologin bekannter als je zuvor geworden.

Die Präses der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, freut sich, dass Margot Käßmann nun „das Reformatorische in die Herzen der Menschen bringt und die Freiheit eines Christenmenschen an die Küchentische“. Auch Braunschweigs Landesbischof Friedrich Weber ist zuversichtlich, dass sie „Martin Luther wichtig macht“. Er erwartet, dass Käßmann „nicht nur die Altvorderen berührt, sondern die wesentlichen Dinge so rüberbringt, dass man merkt, welche Power im Protestantismus steckt“.

Dass Käßmann eine Powerfrau ist, hatte anfangs andere kirchenleitenden Frauen in der Mitteldeutschen Kirche leicht verunsichert. In der EKD fiel dann aber die Abstimmung über die Ernennung der streitbaren Theologin einstimmig aus. Schließlich weiß sie noch, wie man dem Volk aufs Maul schaut.

Darauf verstand sich auch Professor Luther, der in 1517 in Wittenberg 95 Thesen versandte, die zum Sprengsatz in der katholischen Kirche wurden. Seine Aussagen über den Papst würden heute alle Voraussetzungen für eine Beleidigungsklage liefern. Ein paar andere Sprengsätze hatte der wortgewaltige Reformator mit zwei seiner Schriften zu den Juden gelegt. Die Botschafterin will sie entschärfen. Schließlich werde das Reformationsjubiläum nach der Erfahrung des Holocaust gefeiert, sagte Käßmann.

Eine genaue Arbeitsplatzbeschreibung hat die EKD für Käßmann nicht. „Sie soll das tun, was sie am besten kann: predigen, Vorträge halten, Menschen gewinnen“, sagte gestern EKD-Sprecher Reinhard Mawick. Die hannoversche Landeskirche, die Käßmann noch bis zur Pensionierung ihr Bischofsgehalt bezahlt, stellt sie für die neue Aufgabe frei, erst auf Basis einer Teilzeitstelle, ab 2015 dann ganz – als Beitrag der Hannoveraner zum großen Luther-Jubiläum.