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Panorama Kaum noch Hoffnung auf Überlebende nach Minenunglück in Sibirien
Nachrichten Panorama Kaum noch Hoffnung auf Überlebende nach Minenunglück in Sibirien
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16:05 11.05.2010
Die Rettungskräfte suchen weiterhin nach Überlebenden.
Die Rettungskräfte suchen weiterhin nach Überlebenden. Quelle: dpa
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Mindestens 52 Menschen starben durch das Unglück in Südsibirien, 38 weitere wurden am Dienstag weiterhin vermisst, wie die Behörden mitteilten. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin kam in die Region, um den Hinterbliebenen sein Beileid auszusprechen und Unterstützung zuzusagen.

„Es gibt immer weniger Hoffnung bei der Suche nach Überlebenden“, sagte Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu am Dienstag. Bislang konnten die Rettungskräfte nur Tote bergen, darunter auch 19 ihrer Retterkollegen. Diese waren nach der ersten Explosion am Samstag in das Bergwerk eingefahren, um die in rund 500 Metern Tiefe eingeschlossenen Bergleute zu retten. Stunden später ereignete sich eine zweite Explosion, die die Einsatzkräfte ebenfalls von der Außenwelt abschnitt.

„Ihre Lage ist so furchtbar und tragisch, dass es keine angemessenen Worte des Beileids gibt. Und ich verstehe das vollkommen“, sagte der sichtlich betroffene Putin mit tränenerstickter Stimme vor Angehörigen der Opfer in Nowokusnezk. „Aber Sie sollen wissen, dass wir mit Ihnen leiden. Die Regierung wird alles tun, was zu ihren Pflichten gehört, auch Entschädigungszahlungen leisten“, fügte der Regierungschef hinzu.

Putin besuchte im Anschluss die Raspadskaja-Mine selbst in der Stadt Meschduretschensk, wo schwarze Krater und zerstörte Gebäude von der Kraft der Explosionen auch über Tage zeugen. Das Bergwerk besteht aus einer Vielzahl von Stollen, die insgesamt mehr als 400 Kilometer lang sind. Rettungskräfte suchten dort in einer letzten verzweifelten Anstrengung nach Überlebenden, machten sich aber keine Hoffnung mehr. „Jeder weiß, dass die Wahrscheinlichkeit, noch jemanden lebend zu finden, praktisch gleich null ist“, sagte einer der Rettungshelfer der Nachrichtenagentur Interfax. Am Dienstag wurden die ersten Opfer des Unglücks beerdigt. Trauernde Angehörige folgten den Särgen und legten ihre Köpfe auf die Verstorbenen, um Abschied zu nehmen.

84 Menschen waren durch die Explosionen verletzt worden, deren Ursache weiterhin unklar ist. Es könne sich um eine plötzliche Konzentration von Methangas handeln, sagten Behördenvertreter. Putin schloss menschliches Versagen nicht aus, es wurden Ermittlungen wegen fahrlässigen Umgangs mit den Sicherheitsvorschriften eingeleitet. Die Betreiber des Bergwerks versichern, die Methangaskonzentrationen seien im ungefährlichen Bereich gewesen.

Die Raspadskaja-Mine gehört zum Teil dem Stahlproduzent Ewras, der wiederum zu 36 Prozent dem russischen Milliardär und FC Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch gehört. Sie liefert Kohle für die Stahl- und Eisenindustrie in Russland, der Ukraine, Osteuropa und Asien.

afp