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Panorama Kinder sollen Kinder auf Sylt missbraucht haben
Nachrichten Panorama Kinder sollen Kinder auf Sylt missbraucht haben
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20:22 14.09.2010
In diesem Kurheim könnte es zu sexuellen Übergriffen zwischen Minderjährigen gekommmen sein. Die Staatsanwaltschaft ermitttelt, nachdem eine Mutter Anzeige erstattet hat. Quelle: dpa
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Die Flensburger Staatsanwaltschaft jedenfalls geht dem Vorwurf sexuellen Missbrauchs unter Kindern in einer Sylter Kurklinik nach. „Es ist eine Strafanzeige der Mutter eines Kindes eingegangen“, sagte Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Dienstag. „Wir überprüfen, ob es einen strafrechtlich relevanten Vorfall gegeben hat.“

Die „Bild“-Zeitung hatte eine Mutter aus dem Raum Bielefeld mit der Aussage zitiert, ihr Sohn sei von einem anderen Jungen unter Schlägen zu Zungenküssen und Oralverkehr gezwungen worden. Die Frau habe Strafanzeige erstattet. Wie die „Bild“-Zeitung weiter berichtet, hatten mehrere Jungen andere mit Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen.

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Nach Angaben des Klinikbetreibers DAK gab es hingegen keine sexuelle Gewalt. „Es hat in einer Gruppe mit 16 Kindern sexuelle Handlungen gegeben. Medienberichte über angebliche Vergewaltigungen weisen wir aber entschieden zurück“, sagte DAK-Sprecher Frank Meiners. Er sprach von „erweiterten Doktorspielen“ auf freiwilliger Basis. Daran hätten sich in einer Wohngruppe 14 von 16 Jungen im Alter von 9 bis 13 Jahren beteiligt. Es sei das erste Mal, das sich derartige Vorfälle in der seit den siebziger Jahren bestehenden Klinik ereignet hätten.

Rechtsanwalt Carsten Ernst aus Bielefeld, der eines der mutmaßlichen Opfer vertritt, sagte, im Juli und August seien während eines sechswöchigen Klinikaufenthaltes bis zu zwölf Kinder missbraucht worden. „Ich glaube, dass wir erst am Beginn der ganzen Geschichte stehen.“

Mit Unverständnis reagierte der Anwalt auf die DAK-Stellungnahme. „Da wird nun alles kleingeredet. Aber wer einen Analverkehr als erweitertes Doktorspiel betitelt, der hat den Sinn für die Realität verloren.“ Nach Angaben des Anwalts soll es sowohl zu Oral- als auch Analverkehr gekommen sein. Ernst sagte, er habe am Dienstag mehrere Anrufe von Müttern erhalten, die in diesem Fall aussagen wollten. „Auf die Stellungnahme der DAK haben sie mit Unverständnis reagiert. Sie waren verärgert.“

„Jeder war Täter und Opfer zugleich“, sagt dagegen DAK-Sprecher Meiners. „Sexuelle Gewalt hat es nach unserer Kenntnis nicht gegeben.“ Anstifter seien drei Jungen im Alter von 9, 11 und 12 Jahren gewesen. Sie seien nach Bekanntwerden der Vorfälle, die in den Ruhezeiten geschahen, sofort von der Gruppe getrennt und dann nach Hause geschickt. Keines der Kinder sei strafmündig.

Die Jungen waren im Juli auf die Nordsee-Insel gekommen. Das „Haus Quickborn“ steht in Westerland ganz in Strandnähe und ist auf Abspeck-Kuren spezialisiert. Übergewichtige Kinder sollen unter anderem „ihren Körper besser kennen lernen“. Vier Gruppen von je 16 Kindern können aufgenommen werden. Sie schlafen in Vier-Bett-Zimmern. Laut „Spiegel Online“ kümmern sich insgesamt 58 Mitarbeiter, davon 40 ausgebildete Fachleute wie Erzieher, Psychologen und Therapeuten um die jungen Patienten. Es gibt auch ein Schwimmbad und eine Bibliothek.

Am 6. August offenbarten sich abends zum ersten Mal zwei Jungen einem Betreuer, wie DAK-Sprecher Meiners schilderte. Sofort sei die Klinikleitung informiert worden. Die drei „Rädelsführer“ seien in die Krankenabteilung verlegt und am nächsten Tag heimgeschickt worden. Die Kriminalpolizei wurde eingeschaltet, ein Beamter befragte am Tag darauf in der Klinik ein Kind. Er wolle die Vorfälle nicht bagatellisieren. Doktorspiele seien in dem Alter aber grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, sagte Meiners. Er könne sich nicht vorstellen, dass es bei Neun- oder Elfjährigen zu „wirklichem Geschlechtsverkehr“ gekommen sei. Den Eltern der betroffenen Jungen wurde laut DAK angeboten, ihre Kinder abzuholen. Das taten angeblich nur die Eltern eines Kindes, nachdem sie es – laut DAK ohne Befund – auf Verletzungen untersuchen ließen.

dpa