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Panorama Kindermörder Gäfgen erringt Teilerfolg gegen Deutschland
Nachrichten Panorama Kindermörder Gäfgen erringt Teilerfolg gegen Deutschland
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12:07 01.06.2010
Polizisten hatten dem heute 35-jährigen Magnus Gäfgen während seiner Vernehmung mit Misshandlungen gedroht. Quelle: dpa
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Der Kindermörder Magnus Gäfgen hat einen Teilerfolg mit seiner Folterbeschwerde gegen Deutschland erreicht. Mit der Gewaltandrohung gegen Gäfgen bei der Fahndung nach einem entführten Bankierssohn habe Deutschland gegen das Folterverbot der Menschenrechtskonvention verstoßen, befand der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am Dienstag in Straßburg. Eine Wiederaufnahme des Strafverfahrens in Deutschland haben die Richter jedoch ausgeschlossen. Der Prozess gegen Gäfgen sei fair gewesen.

Polizeibeamte hatten Gäfgen mit Folter gedroht, wenn er das Versteck des Kindes nicht preisgibt. Die Beamten glaubten, der Junge sei noch am Leben, obwohl er längst tot war. „Die Drohungen gegen den Täter waren schwerwiegend genug, um als unmenschliche Behandlung im Sinn von Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention zu gelten“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Richter äußerten sich nicht über ein Schmerzensgeld für Gäfgen, forderten Deutschland aber auf, das nationale Schmerzensgeldverfahren „zügig zu beenden“.

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Der 35-Jährige hatte vor fast acht Jahren den Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und ermordet. Dafür verbüßt der ehemalige Jura-Student Gäfgen im hessischen Schwalmstadt eine lebenslange Haftstrafe.

afp/dpa