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Panorama Kleider machen Schauspieler
Nachrichten Panorama Kleider machen Schauspieler
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13:04 21.08.2009
Model Katharina posiert in Bremen in einem Kleid der Bremer Modedesignerin Sigrid Schumacher. Quelle: David Hecker/ddp (Archiv)
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„Das macht mir richtig viel Spaß“, sagt Schumacher. Sie hoffe jetzt auf weitere Anfragen aus dem Filmgeschäft.

Zu der Zusammenarbeit sei es durch einen „lustigen Zufall“ gekommen. Nach einer Promotiontour habe sie eines Tages eine Kostümbildnerin angerufen, die für verschiedene Produktionsfirmen arbeite. „Sie fragte nach Abendkleidern für den Film eines Jung-Regisseurs“, erinnert sich die Designerin. Eines der Kleider habe die Schauspielerin dann als Brautkleid getragen. Im Gegenzug sei ihr Name im Abspann genannt worden.

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„Daraus hat sich dann das Projekt mit Corinna Harfouch ergeben“, berichtet Schumacher. Sie spiele in dem Kinofilm „This is Love“ eine Kommissarin, „aber eine, die nicht stromlinienförmig ist, sondern eine Vollblutfrau. Das sollte sich schon in der Garderobe widerspiegeln.“ Die Kleider, die die 48-jährige Bremerin ans Set schickte, sind deshalb aus farbigen Stoffen und teilweise mit Spitze besetzt.

Pencil-Skirts von „Prototype.Schumacher“ trage Sonja Kirchberger als Witwe aus dem Mafia-Milieu in dem Fernsehfilm „Der Psycho Pate“. „Mitten aus den Dreharbeiten heraus rief mich Frau Kirchberger an“, erzählt die Modedesignerin. „Sie war so begeistert von meinen Sachen, dass sie sogar bei den ’Diva-Awards’ Anfang des Jahres in München ein Kleid von mir tragen wollte“, sagt Schumacher stolz. Dafür habe sich die Schauspielerin ein „dekolletiertes Abendkleid aus schwarzem und hell pfirsichfarbenem Stoff“ ausgesucht, das eigens für sie genäht worden sei.

Die Nähwerkstatt unweit des Bremer Hauptbahnhofs war 1993 das erste Ladenlokal der damals gerade erst selbstständigen Designerin. Heute stapeln sich an den Wänden Schuhkartons bis zur Decke, stehen voll gehängte Kleiderständer zwischen den neun Nähmaschinenplätzen und dem Bügelbrett. Rund 130 Teile, Hosen, Röcke, Shirts und vor allem Kleider werden hier pro Kollektion von Hand gearbeitet. „Alles garantiert „made in Bremen““, erklärt die temperamentvolle Rothaarige. Zugeschnitten werde in den Räumlichkeiten nebenan. Das Geschäft ist inzwischen in den Ostertorsteinweg umgezogen.

Sigrid Schumacher wusste schon früh, dass sie Mode machen wollte: „Ich habe schon als junges Mädchen meine eigenen Sachen genäht.“ Nachdem die Designerin ihr Diplom in der Tasche hatte, ging sie im Herbst 1983 nach Paris, „Klinken putzen“, wie sie es nennt. Damals wurde sie auch bei Chanel vorstellig. Als sie Karl Lagerfeld ihre Mappe gezeigt habe, habe der Modeschöpfer gesagt, „die Sachen seien sehr kreativ, außergewöhnlich und ich müsste unbedingt zum Theater gehen“, erinnert sich Schumacher.

„Ich war total sauer“, weiß sie heute noch. „Ich wollte nichts fürs Theater machen, das hat mich damals nicht interessiert.“ Doch Lagerfeld sollte recht behalten. „Das Lustige ist, dass ich heute für Kooperationen gern mit dem Theater zusammenarbeite“, sagt die Designerin mit dem Faible für Flohmärkte und japanische Kimonos.

Bevor die 48-Jährige in ihre Heimatstadt zurückkehrte, entwarf die Bremerin zunächst in Süddeutschland für zwei Unternehmen Bademode und Wäsche. Zuständig für die Kollektion der Leistungsschwimmer, ging auch Michael „Albatros“ Groß zu dieser Zeit in Badehosen von Schumacher ins Wasser. „Das Thema Bademode und Wäsche hat mich immer schon fasziniert“, sagt die Modemacherin, die jetzt im Sommer jeden Morgen im Unisee schwimmen geht. Für die New Yorker Fashion-Week kreierte sie im Jahr 2000 Strassstein-BHs.

Sieben Jahre später war sie bei der ersten Modewoche in Berlin unter dem Brandenburger Tor dabei. Bis vor kurzem verkaufte sie ihre modischen Kreationen, die überwiegend aus atmungsaktivem, hautfreundlichem und pflegeleichtem Multi-Mikrofaserstoff genäht werden, auch in Paris. „Momentan gibt’s mich nur in Bremen“, sagt Schumacher, die neben der Arbeit an der Sommerkollektion 2010 dabei ist, ein Archiv aufzubauen. Das „Flammenkleid“, in dem Popsängerin Sarah Connor vor einigen Jahren bei „Wetten, dass?“ bundesweit für Aufsehen sorgte, finde sich darin ebenso wie das Lieblingskleid von Schauspielerin Corinna Harfouch aus „This is Love“.

ddp