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Panorama Kölner Innenstadt sollte evakuiert werden
Nachrichten Panorama Kölner Innenstadt sollte evakuiert werden
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13:20 12.02.2010
Im März vergangenen Jahres eingestürzt: Das Historische Stadtarchiv in Köln. Quelle: ap
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Wegen Sicherheitsbedenken beim Kölner U-Bahn-Bau haben die Verantwortlichen der Stadt laut „Spiegel“ im Januar eine großräumige Evakuierung in der Innenstadt erwogen. Grund waren demnach Informationen über neue Gefahren, die die Kölner Staatsanwaltschaft knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Stadtarchivs an das Management der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) weitergegeben haben soll. Der Notfallplan sei nach weiteren Prüfungen durch Sachverständige dann aber wieder fallengelassen worden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte am Freitag auf DAPD-Nachfrage, ihm sei dieser Vorgang nicht bekannt. Die Stadt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen, doch hat sie für 14 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt.
Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Mängel beim Bau der Kölner U-Bahn schwerwiegender sind als bislang bekannt. Weil Bauarbeiter auf Weisung eines Poliers gepfuscht haben sollen, sind an der Haltestelle Heumarkt nach Angaben der Stadt zum Teil nur 17 Prozent der eigentlich vorgesehenen Stahlbügel in den Schlitzwänden der Baugrube eingegossen worden. Auch bei den U-Bahn-Baustellen am Waidmarkt und am Rathaus gehe man aufgrund der Ermittlungserkenntnisse der Staatsanwaltschaft von einer ähnlichen Situation aus, hieß es in einer Mitteilung am Abend.

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Ermittlungsverfahren läuft

Die Staatsanwaltschaft Köln hatte Ende Januar gegen zwei Bauverantwortliche des Kölner U-Bahn-Baus ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und Unterschlagung eingeleitet. Sie sollen Eisenbügel gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft haben, statt sie in die Außenwände des Bahn-Schachts nahe dem Historischen Stadtarchiv einzubauen. Als Ursache für den Einsturz des Gebäudes am 3. März vergangenen Jahres gilt dieser Pfusch am Bau nach Angaben der Ermittler aber nicht.

Auch die Stadt Köln erklärte am Donnerstag, Einsturzgefahr bestehe aufgrund der fehlenden Stahlbügel nicht. Der Rosenmontagszug könne ohne Beeinträchtigung stattfinden. „Um in jedem Fall weiterhin die größtmögliche Sicherheit gewährleisten zu können und möglicherweise weitere Erkenntnisse zu gewinnen, werden alle Untersuchungen und Messungen kontinuierlich fortgesetzt“, kündigte die Stadt an.

Evakuierungen um den Waidmarkt

Laut „Spiegel“ waren die Evakuierungspläne von Stadt, Feuerwehr und Verkehrsbetriebe laut einem Sitzungsprotokoll am 28. Januar vor allem für das Gebiet rund um den Waidmarkt vorgesehen. Der Anwalt der in einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) verbundenen Baufirmen, Hanns W. Feigen, wollte sich dem Magazin zufolge nicht zu den Vorwürfen äußern.
Bei dem Einsturz des Stadtarchivs starben zwei Menschen, zahllose wertvolle Unterlagen, Briefe und Fotos wurden verschüttet. Die Stadt bezifferte den Gesamtschaden auf mindestens eine halbe Milliarde Euro. Die Restaurierungsarbeiten dürften nach Einschätzung noch bis zu 50 Jahre dauern.

ap