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Panorama Körper von Rosa Luxemburg womöglich in Berliner Charité gefunden
Nachrichten Panorama Körper von Rosa Luxemburg womöglich in Berliner Charité gefunden
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13:47 29.05.2009
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Der Chef der Rechtsmedizin, Michael Tsokos, vermutet, dass es sich bei der Wasserleiche ohne Kopf, Hände und Füße um die sterblichen Überreste der Sozialistin handele, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Freitag vorab. Die Tote weise „verblüffende Ähnlichkeiten mit der realen Rosa Luxemburg“ auf, sagte Tsokos dem Magazin.

Sicherheit über die Identität der Leiche könne aber nur ein DNA-Vergleichstest bringen, ergänzte der Gerichtsmediziner. Die DNA des Körpers in der Charité liege vor, es fehle nur an Material, das eindeutig Luxemburg zugeordnet werden könne. „Ein Hut wäre gut“, sagte Tsokos. Darin verbliebene Haare könnten das Rätsel dann vielleicht lösen. Zugleich verwies Tsokos darauf, dass es das Gerücht, wonach der namenlose Körper in dem Berliner Institut derjenige von Luxemburg sei, schon viele Jahre gebe.

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Eine Untersuchung des Leichnams im Computertomographen erbrachte dem „Spiegel“ zufolge, dass die tote Frau in der Charité zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 40 und 50 Jahre alt war, an Arthrose litt und unterschiedlich lange Beine hatte. Rosa Luxemburg war 47, als sie ermordet wurde. Sie litt unter einer angeborenen Hüftverrenkung und einer daraus resultierenden Beinlängendifferenz.

Tsokos bezweifelt, dass die wahre Rosa Luxemburg jemals begraben wurde. Er untermauert diesen Verdacht mit zahlreichen Ungereimtheiten, die er in dem historischen Protokoll der Obduktion Luxemburgs vom Juni 1919 ausgemacht habe, wie es weiter hieß. Tsokos’ Vorgänger hatten damals einen Leichnam untersucht, der zwar am 13. Juni 1919 als Rosa Luxemburg auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde bestattet wurde, nach Ansicht von Tsokos aber in wesentlichen Punkten nicht mit den anatomischen Merkmalen der Sozialistin übereinstimmt.

Dem Magazin zufolge hielten die Rechtsmediziner seinerzeit ausdrücklich fest, dass die untersuchte Leiche weder einen Hüftschaden noch unterschiedlich lange Beine hatte. Vergeblich blieb bei der Obduktion von 1919 auch der Versuch, am Kopf der obduzierten Leiche sichere Spuren für Gewehrkolbenschläge auf den Schädel und einen Kopfdurchschuss nachzuweisen. Außerdem sei auch kein Zahnstatus erhoben worden, obwohl das auch vor 90 Jahren bei einer Obduktion durchaus üblich gewesen sei, fügte der Experte hinzu.

Er habe sich seit seinem Amtsantritt in dem Berliner Institut in den vergangenen zweieinhalb Jahren sehr um DNA-Spuren von Luxemburg bemüht, sagte Tsokos. So habe er beispielsweise Briefe von Luxemburg untersucht - in der Hoffnung, sie hätte Briefmarken mit Speichel aufgeklebt. „Luxemburg schrieb sehr viel, manchmal 100 Briefe an einem Tag, und benutzte leider Wasser für die Marken“, erzählte Tsokos. Selbst eine in einem Bundesarchiv lagernde Karte, die sie aus dem Gefängnis geschrieben hat, wurde untersucht - „auch an dieser haben wir keine DNA“, gefunden, sagte der Rechtsmediziner. Der Wissenschaftler sucht jetzt weiter nach Gegenständen aus dem Besitz der Politikerin.

Rosa Luxemburg und der Arbeiterführer Karl Liebknecht waren am 15. Januar 1919 von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet worden. Die Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) wurde zunächst niedergeschlagen und dann durch einen Schuss in den Kopf getötet. Anschließend warfen die Täter ihre Leiche in den Landwehrkanal, wo sie am 31. Mai 1919 gefunden wurde.

Luxemburg und Liebknecht gelten auch heute noch als Ikonen der linken Bewegung. In Berlin wird ihrer Ermordung jährlich im Januar gedacht. Auch in diesem Jahr zogen mehrere Zehntausende Menschen in einem von der Linkspartei initiierten stillen Gedenken an den Gräbern der beiden in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde vorbei.

ddp