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Panorama Kommen Kumpel schon im November frei?
Nachrichten Panorama Kommen Kumpel schon im November frei?
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20:56 06.09.2010
Rettungsaktion mit schweren Maschinen für die Kumpel in Chile. Quelle: ap
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Laut dem Planungspapier für die Rettungskräfte verspricht „Plan C“ die früheste Rettung der eingeschlossenen Bergleute in Copiapo in Chile. Dabei soll ab dem 18. September ein riesiger Ölbohrer zum Einsatz kommen, für den eine Ausgangsfläche von der Größe eines Fußballplatzes benötigt wird. Da der Ölbohrer nur 597 Meter und damit weniger tief als die anderen beiden eingesetzten Bohrer bohren müsste, könnte der Rettungsschacht im besten Falle Anfang November fertig sein, hieß es in dem Papier. Bei Problemen könne es bis Anfang Dezember dauern.

Seit einer Woche ist bereits die Maschine „Strata 950“ mit der Umsetzung von „Plan A“ beschäftigt. Sie bohrt einen 66 Zentimeter breiten Rettungsschacht bis in 700 Meter Tiefe. Dies dürfte allerdings mehrere Monate dauern, bis Sonntag schaffte „Strata 950“ etwa 40 Meter.

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Im Rahmen von „Plan B“ erweitert zudem die Maschine „T-130“ seit Sonntag den Durchmesser eines bereits bestehenden Versorgungsschachts von derzeit zwölf Zentimeter auf zunächst 30 Zentimeter. Durch den Schacht erhalten die Kumpel in der kleinen Gold- und Kupfermine San José unter anderem Nahrung und Medikamente.

Die Angehörigen der Bergarbeiter erinnerten am Sonntag mit Gesängen und aufmunternden Sprechchören an das Minenunglück vor einem Monat. Mit Bergwerksminister Laurence Golborne hissten sie auf einem Hügel in der Nähe der Mine zu Ehren der verschütteten Bergleute entsprechend ihrer Nationalitäten 32 chilenische und eine bolivianische Flagge. Der Minister verlas begleitet von „Viva“-Rufen der Angehörigen die Namen der Kumpel.

Einige Angehörige brachen angesichts der schwierigen Lebensbedingungen der Verschütteten in Tränen aus. „Es ist schwer für mich, weil sie nicht seit einem Monat dort unten in der Mine sein sollten“, sagte María Segovia, deren Bruder Darío Segovia zu den eingeschlossenen Bergarbeitern gehört.

Am Sonnabend konnten die Angehörigen erstmals über ein Bildtelefon mit den Männern in 700 Metern Tiefe sprechen. „Es war sehr bewegend. Wir hätten sie so gerne direkt aus dem Bildschirm geholt“, sagte Antonia Godoy, Mutter des eingeschlossenen Bergmanns Richard Villarroel. Jeder Kumpel sprach rund eine Minute mit seinen Angehörigen. Während diese die Eingeschlossenen sehen und hören konnten, hörten die Männer im Bauch der Mine lediglich die Stimmen ihrer Lieben.

Eine Portion Durchhalte-Motivation erhielten die eingeschlossenen Bergleute unterdessen auch von den Überlebenden eines Flugzeugabsturzes, das als „Wunder der Anden“ bekannt wurde. Vier der zwölf Uruguayer, die 1972 nach dem Absturz ihres Flugzeugs in den Anden mehr als zehn Wochen im Eis überlebt hatten, überbrachten den Kumpeln an der San-José-Mine eine Botschaft von „Glaube und Hoffnung“, wie einer der Uruguayer, Ramón Sabella, sagte. „Wir sind hier, um sie zu ermutigen nicht aufzugeben“.

Eines ist bereits heute klar. Sollten die Kumpel gerettet werden können, ist ihnen ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde sicher. Nie waren Menschen länger eingeschlossen als die 33 chilenischen Kumpel.

Klaus Ehringfeld/afp