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Panorama Kostenlose Behandlung für Tiere armer Menschen gefordert
Nachrichten Panorama Kostenlose Behandlung für Tiere armer Menschen gefordert
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07:38 03.04.2011
Haustiere von Hartz-IV-Empfängern sollen nach Meinung von Tierschützern kostenlos behandelt werden. Quelle: dpa
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Tierschützer haben eine kostenlose Behandlung für die Haustiere von Hartz-IV-Empfängern gefordert. „Man kann den armen Menschen aus seelischen und gesellschaftlichen Gründen nicht zumuten, auch noch ihr Tier abzugeben“, sagte Claudia Hollm, Sprecherin des Vereins „Tiertafel Deutschland“ in Oldenburg. Die Tierärzte seien hier in der Pflicht, noch mehr für Hunde und Katzen von Bedürftigen zu tun. Die niedersächsische Tierärztekammer wies die Forderung zurück. Hartz-IV-Empfänger könnten schon jetzt ihre Tiere kostenlos behandeln lassen, wenn sie ihren Hartz-IV-Bescheid einreichten, sagte der Geschäftsführer der Tierärztekammer, Udo Pobanz, in Hannover.

Tierschützern geht diese Praxis nicht weit genug. Über eine Reduzierung der Behandlungskosten entscheide derzeit ein Gremium der Tierärztekammer, erklärte Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Dieser Vorgang könne mitunter drei Monate dauern, dies sei für viele Notfälle zu spät. In einigen deutschen Großstädten gibt es bereits Projekte von Tierärzten und Vereinen, um Tiere in Not schnell und kostenlos zu behandeln. Bei dem Projekt Underdog in Düsseldorf oder der mobilen Tierarztpraxis in Berlin-Brandenburg wird den kranken Tieren von armen Menschen unbürokratisch geholfen.

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„Helfende Pfötchen“ setzt sich für ein ähnliches Angebot in Hannover ein - bisher ohne Erfolg. „Wir haben im Januar einen Antrag auf Entlastung der Bedürftigen bei der niedersächsischen Tierärztekammer eingereicht und warten nun auf Antwort“, sagte der Sprecher von „Helfende Pfötchen“, Gerald Jürgens.

Die hohen Kosten für Impfungen, Entwurmungen oder Operationen sind nur ein Problem für bedürftige Tierbesitzer. Vielen fällt es sogar schwer, das tägliche Futter für ihre Vierbeiner zu finanzieren. In einigen Städten wie zum Beispiel Wolfsburg, Oldenburg und Braunschweig haben Tierschutzvereine deshalb bereits Futtertafeln eingerichtet. „Es darf nicht sein, dass Halter aus Geldnot ihre Tiere abgeben müssen und damit den letzten Bezug zur Gesellschaft verlieren“, betonte Claudia Hollm dem Verein „Tiertafel Deutschland“ in Oldenburg.

Gerade für sozial isolierte ältere Menschen sei der Hund oder die Katze oft der letzte Bezugspunkt zur Gesellschaft und damit unverzichtbar, betonte auch Gerald Jürgens. Sein Verein „Helfende Pfötchen“ verteilt jeden Montag von 15 bis 17 Uhr in Laatzen Tierfutter an bedürftige Tierhalter, die dies nachweisen können. „Viele Menschen kennen noch nicht unser Angebot. Deshalb wird es erst verhalten angenommen“, berichtete der Tierschützer.

dpa