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Panorama Kritik an Organisation der Impfung gegen die neue Grippe
Nachrichten Panorama Kritik an Organisation der Impfung gegen die neue Grippe
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20:07 20.11.2009
Bundesgesundheitsminister Rösler betonte, die Organisation der Impfungen müsse regionalen Besonderheiten Rechnung tragen. Quelle: ddp (Archiv)
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Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) verteidigte hingehen das Vorgehen: „Bund und Länder arbeiten bei übergreifenden Fragen wie Impfbeschaffung und Impfstrategie eng zusammen“. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin sind in Deutschland bislang 16 Menschen an dem H1N1-Virus gestorben, mehr als 60.000 sind seit April daran erkrankt. Angesichts dieser Menge gilt seit Samstag eine eingeschränkte Meldepflicht für Infektionen. Nun müssen Ärzte nur noch Todesfälle und bei Untersuchungen im Labor festgestellte Infektionen melden.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte, sie sei zwar ein Anhänger des Föderalismus, „aber wir müssen jetzt schauen, wo trotzdem Verbesserungen möglich sind.“ Bund und Länder müssten ein Interesse an einer Auswertung haben. Es sei wichtig, „dass die Menschen jetzt nicht alle auf einmal zum Hausarzt rennen, um sich impfen zu lassen. So kann die Impfung bei einer Pandemie nicht ablaufen.“

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„Die Schwierigkeiten beim Start der Impfungen gegen die neue Grippe hätten vermieden werden können“, sagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD). Sie schlug vor, dass künftig nicht mehr in jedem Bundesland einzeln die Kosten für die Verimpfung geregelt werden. Besser wäre es, wenn der Spitzenverband der Krankenkassen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bundeseinheitlich kläre, wie viel Geld die Ärzte für das Impfen bekommen. Sie sprach sich jedoch dagegen aus, das Impfen zentral zu regeln.

Bundesgesundheitsminister Rösler betonte, die Organisation der Impfungen müsse regionalen Besonderheiten Rechnung tragen. Zugleich bestehe „ein Interesse an einer genauen Analyse“. Die Verantwortlichen in den Ländern arbeiteten daran, die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Er räumte ein: „Nicht immer werden Wartezeiten zu vermeiden sein.“

Rösler appellierte erneut an die Bevölkerung, sich mit Blick auf die derzeit noch knappen Impfstoffmengen zu gedulden. „Es sollten jetzt wirklich zuerst diejenigen geimpft werden, die als medizinische Helfer gebraucht werden, und dann das Schlüsselpersonal wie Polizei und Feuerwehr und diejenigen, die ein höheres Risiko tragen, wie zum Beispiel chronisch Kranke.“ Rösler verwies auf die Zusage des Impfstoffherstellers, in den kommenden Wochen mehr Impfstoff zu liefern: „Das wird die Situation entspannen.“

Bundestagsabgeordnete und ihre Mitarbeiter können sich nach einem „Spiegel“-Bericht in den nächsten Tagen impfen lassen. Die Bundestagsverwaltung richtet demnach eine Impfstelle für Parlamentarier im Reichstagsgebäude ein.

Die Schweinegrippe zieht auch finanzielle Forderungen nach sich. Thüringen bezahlte bislang rund 26.000 Euro an Entschädigungen. Wie ein Sprecher des Landesverwaltungsamtes am Sonntag in Erfurt weiter sagte, wurden Personen bedacht, die nach Kontakt mit Infizierten unter Quarantäne gestellt wurden. Bislang seien 71 Anträge auf Isolierung von Betroffenen eingegangen, 51 davon seien bearbeitet. Betroffene, die behördlich unter Quarantäne gestellt werden, können laut MDR auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes unter anderem Verdienstausfälle geltend machen. Bei Verstoß gegen eine Quarantäne-Anordnung drohen hingegen bis zu fünf Jahre Haft.

ddp