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Panorama Mann darf weiter im Stehen pinkeln
Nachrichten Panorama Mann darf weiter im Stehen pinkeln
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08:01 13.11.2015
Vermieter müssen mit Stehpinklern rechnen, diese aber nicht mit Böden, die dafür ungeeignet sind, begründete das Gericht am Donnerstag sein Urteil. Quelle: Martin Gerten
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Düsseldorf

Den einen gilt es als männlich, vielen anderen als unanständig: In Düsseldorf hatte es ein Stehpinkler mit seiner Vermieterin zu tun bekommen. Die behielt fast 2000 Euro von der Mietkaution ein, als der Mann wieder auszog. Rund um die Toilettenbecken in Badezimmer und Gäste-WC waren die edlen Marmorböden stumpf und fleckig geworden. Das Werk eines notorischen Stehpinklers, befand ein Experte.

Doch beim Mieter, einem Finanzmanager, biss die Vermieterin auf Granit. Er zog vor Gericht – und siegte nun: Vermieter müssen mit Stehpinklern rechnen, diese aber nicht mit Böden, die dafür ungeeignet sind, begründete das Gericht am Donnerstag sein Urteil (Az.: 12 S 13/15), wies die Berufung der Vermieterin zurück und ließ keine Revision zu. Denn schließlich sei das "Urinieren in einer aufrechten Körperhaltung bei männlichen Personen nicht unüblich".

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"Stehpinkel-Klausel" in Mietverträgen

Anders hätte die Sache wohl ausgesehen, wenn die Vermieterin im Mietvertrag ausdrücklich auf die Empfindlichkeit des Bodens hingewiesen hätte. Entsprechend konnte eine Gerichtssprecherin nicht ausschließen, dass eine "Stehpinkel-Klausel" künftig häufiger in Mietverträgen zu finden ist. Das Gericht will das Urteil aber nicht als Präzedenzfall verstanden wissen: Ob das Stehpinkeln grundsätzlich vertragsgemäßer Gebrauch einer Mietwohnung ist oder eine Pflichtverletzung im Umgang mit anvertrautem fremdem Eigentum, ließ die Kammer ausdrücklich offen.

"Sitzpinkel"-Gebot unzulässig

Das vorangegangene Urteil des Düsseldorfer Amtsgerichts vom Januar wurde damit im Kern bestätigt. Amtsrichter Stefan Hanck hatte mit seiner Begründung für internationales Aufsehen gesorgt. Wörtlich hieß es: "Trotz der in diesem Zusammenhang zunehmenden Domestizierung des Mannes ist das Urinieren im Stehen noch weit verbreitet. Jemand, der diesen früher herrschenden Brauch noch ausübt, muss zwar regelmäßig mit erheblichen Auseinandersetzungen mit – insbesondere weiblichen – Mitbewohnern, nicht aber mit einer Verätzung des im Badezimmer oder Gäste-WC verlegten Marmorbodens rechnen." Ein "Sitzpinkel"-Gebot sei daher unzulässig.

Darin sind sich der Deutsche Mieterbund und der Eigentümerverband Haus & Grund ausnahmsweise einig.

Wenn der Harndrang vor Gericht führt

PINKELN IM GARTEN stört den Hausfrieden. Ein Mieter, der sein Geschäft immer wieder auf dem mitvermieteten Rasen vor einem Mehrparteien-Haus erledigte, musste seine Wohnung räumen. Ein Kölner Amtsrichter gab 2010 der Klage eines Nachbarn statt.

LAUTES PINKELN IM STEHEN: Weil ihr das Urinieren eines Nachbarn im Stehen zu laut war, zog eine Frau 1996 vor das Amtsgericht Wuppertal, allerdings erfolglos. Der Richter urteilte: "Letztlich ist die Toilettenbenutzung zwangsläufig mit einer Geräuschentwicklung verbunden."

WILDPINKLER IM SCHLOSSGARTEN: Wenn die Blase drückt, darf man(n) sich nicht überall erleichtern. Das Amtsgericht Stuttgart verurteilte 2014 einen Frührentner, der in den Schlossgarten gepinkelt hatte. Gegen ein zuvor verhängtes Bußgeld hatte er geklagt. Sein Argument, er leide an einer Blasenschwäche, ließ die Richterin nicht gelten. Neben den 35 Euro Buße musste er dann auch noch die Prozesskosten zahlen.

PIPI-POSSE IN DER BAHN: In einem Zug ohne Toilette erlaubte ein Schaffner einem Fahrgast in Not, in einen Mülleimer zu pinkeln. Zur Strafe degradierte die Deutsche Bahn den Zugbegleiter nach 36 Dienstjahren zum Nachtwächter. Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht zeigte 2011 Verständnis für den Eisenbahner, der den unvermeidbaren Schaden immerhin zu begrenzen versucht habe. Der Arbeitgeber nahm die Versetzung schließlich zurück.

PINKELN UND PRÜGELN: Ein Mann erleichterte sich 2003 an einem Düsseldorfer Gotteshaus und verpasste dem aufgebrachten Küster anschließend ein blaues Auge. Er hatte zur Kamera gegriffen und den Mann fotografiert. Vor dem Amtsgericht kam der starke Mann mit der schwachen Blase mit einer Bewährungsstrafe davon.

PINKELN UND PUTZEN: Mit 20 Stunden Arbeit in öffentlichen Toiletten bestrafte das Amtsgericht Sondershausen (Thüringen) 2002 einen angetrunkenen 20-Jährigen, der in einem Supermarkt in ein Weinregal uriniert hatte. Der Richter sagte damals zur Urteilsbegründung: "Damit er mal sieht, wie es ist, anderer Leute Dreck wegzumachen."

Von Frank Christiansen

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