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Panorama Leben ohne Maddie
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10:39 15.09.2011
Von Wiebke Ramm
Kate McCann glaubt weiter an die Rückkehr ihrer Tochter. Quelle: dpa
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Als Strafe droht Kate McCann ein Lebenslang – der lebenslange Verlust ihres Kindes und lebenslange Schuldgefühle. Ihr Vergehen könnte allein darin bestehen, dass sie ihre Tochter schlafen ließ, 50 Meter entfernt zu Abend aß und alle halbe Stunde nach ihr sah.

Am späten Abend des 3. Mai 2007 ist die dreijährige Madeleine aus einem Ferienappartement im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Bis heute wird die junge Britin vermisst. Vier Jahre sind seither vergangen, in denen Kate McCann nach eigenen Angaben wie betäubt durch die Welt läuft und sich jeden Moment der Freude verbietet. So schreibt sie es in ihrem Buch „Madeleine“, das am morgigen Freitag auf Deutsch erscheint und seit Monaten in den britischen Bestsellerlisten ist. Detailliert, fast minutiös schildert die Mutter darin ihre verzweifelte Suche nach der Tochter. Und auch wer meint, schon alles über den Fall Maddie zu wissen, erfährt die Geschichte aus einer neuen Perspektive.

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Die Fakten sind bekannt: Kate McCann kehrt gegen halb zehn Uhr abends in das Ferienapartment zurück, um nach Maddie und ihren Geschwistern zu sehen. Die Tür zum Kinderzimmer steht offen. Sie schaut ins Zimmer und sieht das leere Bett ihrer Tochter. Das Fenster steht sperrangelweit offen, die Jalousien sind hochgezogen. „Übelkeit, Entsetzen, Angst. Eiskalte Angst. Lieber Gott, nein!“, fasst sie den Horror in Worte.

Ein Vermächtnis an die Kinder

Es beginnt der Kampf mit Polizeibehörden, die im Gerangel um Zuständigkeiten nach Ansicht der Eltern ihre eigentliche Aufgabe zu vergessen scheinen: Madeleine zu finden.

Kate McCann berichtet von angeblichen Hellsehern, die behaupteten zu wissen, wo die Leiche ist. Andere gaben sich als Entführer aus und forderten Geld. Schließlich geraten die Eltern selbst in den Fokus der Ermittlungen. Beweise, die vor Gericht standgehalten hätten, gab es nicht. Die Ermittlungen wurden eingestellt, den Verdacht aber wurden sie nicht mehr los.

Wer glaubt, dass Kate und Gerry McCann selbst mit dem Verschwinden des Kindes zu tun haben, kann das Buch als Verteidigungsschrift im eigentlichen Sinne lesen. McCann protokolliert die Ereignisse in den ersten Tagen nach Madeleines Verschwinden in allen Einzelheiten. Kate McCann nennt Uhrzeiten, Zeugen, alles Mögliche. Schon logistisch erscheint es da schwer möglich, dass die Eltern in den Fall verwickelt sind. Kate McCann sieht ihr Buch als ein Vermächtnis an ihre Kinder: die Zwillinge Sean und Amelie und Madeleine. Wenn ihre Tochter eines Tages wieder nach Hause kommt, solle sie nachlesen können, dass ihre Eltern nie aufgehört haben, sie zu suchen. Madeleine kommt zurück, davon sind sie überzeugt. Kate McCann klammert sich an andere Fälle: Natascha Kampusch, Jaycee Lee Dugard und Carlina White sind nach acht, 18 und 23 Jahren ihren Entführern entkommen.

Ein totes Kind wird von der Gesellschaft vergessen

„Madeleine ist am Leben, bis irgendjemand das Gegenteil beweist“, daran halten sie fest und sind entsetzt, wenn der frühere portugiesische Chefermittler verkündet, Maddie sei mit Sicherheit tot. Ein totes Kind wird nicht gesucht, ein für tot erklärtes Kind wird von der Gesellschaft irgendwann vergessen – das ist die Sorge, die die McCanns mit aller Medienmacht bekämpfen wollen.

„Zyniker werden behaupten, wir hätten die Medien ,hofiert‘“, schreibt Kate McCann: „Wenn sie damit sagen wollen, wir hätten ihre Hilfe in Anspruch genommen, um überall kundzutun, dass uns unsere Tochter geraubt worden war und wir sie unbedingt wiederfinden wollten, dann geben wir ihnen sofort recht.“ Ihre Kooperation mit den Medien muss ihnen irgendwann allerdings selbst wie ein Pakt mit dem Teufel vorgekommen sein.

Es beginnt damit, dass sie es als respektlos empfinden, dass ihr Kind konsequent „Maddie“ genannt wird, obwohl ihre Tochter immer darauf bestanden habe, mit ihrem vollen Namen angesprochen zu werden: „Ich bin nicht Maddie, ich bin Madeleine!“

Am Donnerstagabend zu Gast bei Beckmann

Schwerer wog, dass sie erfahren mussten, dass nur als glaubwürdig trauernd gilt, wer öffentlich zusammenbricht. Die McCanns jedoch rissen sich vor den Kameras zusammen. Sie dachten, dass es ihrer Tochter helfe. Doch es wurde ihnen als Gefühlskälte ausgelegt und machte sie in den Augen mancher erneut verdächtig.

„Madeleine“ ist keine leichte Lektüre. Der Leser weiß schon am Anfang, dass es kein Happy End gibt. Dass es überhaupt kein Ende gibt. Was mit Madeleine passiert ist, ist bis heute nicht bekannt.

Kate McCann: „Madeleine: Das Verschwinden unserer Tochter und die lange Suche nach ihr“, Verlag Bastei Lübbe, 456 Seiten, 16,99 Euro. Kate und Gerry McCann sind am Donnerstagabend um 22.45 Uhr in der ARD-Talkshow „Beckmann“ zu Gast.

14.09.2011
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