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Panorama Lebenslange Haft im Fall Arzu Ö. gefordert
Nachrichten Panorama Lebenslange Haft im Fall Arzu Ö. gefordert
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14:13 16.05.2012
Die fünf Geschwister müssen sich seit Ende April im Fall der Verschleppung und Ermordung Arzus vor dem Landgericht Detmold verantworten. Quelle: dpa
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Detmold

Die Staatsanwaltschaft hat im Mordfall Arzu Ö. lebenslange Haftstrafen für zwei Brüder und eine Schwester der getöteten 18-Jährigen gefordert. Die Schwester Sirin (27) und die Brüder Kirer (25) und Osman (22) hätten den gemeinschaftlichen Mord begangen, um die „Ehre“ der Familie wiederherzustellen, erläuterte der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter am Mittwoch in seinem Plädoyer. Die kurdische Familie gehört der Religionsgemeinschaft der Jesiden an. Arzu Ö. wurde nach Überzeugung der Ermittler getötet, weil sie einen Andersgläubigen liebte.

Die beiden anderen Brüder hätten sich der Geiselnahme mit Todesfolge schuldig gemacht, so die Staatsanwaltschaft. Für Elvis Ö. (21) forderte Vetter elfeinhalb Jahre Haft, für Kemal (24) elf Jahre. Mit dem Urteil wurde noch für Mittwochnachmittag gerechnet. Zuvor standen noch die Abschlussreden der Verteidigung an.

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Die fünf Geschwister müssen sich seit Ende April im Fall der Verschleppung und Ermordung Arzus vor dem Landgericht Detmold verantworten. Sie hatten die Entführung eingeräumt. Osman hatte zudem die tödlichen Kopfschüsse gestanden. Die Tötung sei aber nicht geplant gewesen.

Am Mittwochmorgen hatte das Landgericht einen umfangreichen Beweisantrag eines Verteidigers als aussichtslos zurückgewiesen. Der Anwalt hatte beantragt, zu dem Fundort der Leiche Arzus in Schleswig-Holstein zu fahren. Von dort könne sein Mandant Kirer wohl den Ort wiederfinden, wo am 1. November seine Schwester Arzu erschossen worden sei.

Vor dem Gerichtsgebäude warnten die Menschenrechtsorganisationen Terre des Femmes und Peri davor, sogenannte Ehrenmorde mit Verweis auf andere Kulturen zu relativieren. Es dürfe keine Toleranz in Fällen von Gewalt und Willkür geben.  

dpa

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