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Panorama Liegestützen auf dem Altar sind Kunst
Nachrichten Panorama Liegestützen auf dem Altar sind Kunst
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16:50 10.07.2017
Schweißtreibend: Alexander Karle während seiner Aktion „Pressure to Perform“. Quelle: dpa
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Saarbrücken

Er kletterte in einer katholischen Kirche auf einen Altar und machte dort 28 Liegestützen. Was nach einer ziemlich irren Aktion klingt, ist nach Meinung des Landgerichts Saarbrücken Kunst – und keine Störung der Religionsausübung. Mit seinem Urteil hob das Gericht gestern ein vorangegangenes Urteil des Amtsgerichts auf, das den 39-jährigen Videokünstler Alexander Karle wegen seiner umstrittenen Aktion zu einer Geldstrafe von 700 Euro verurteilt hatte. In dem ersten Urteil war die Kunstaktion noch als „beschimpfender Unfug“ bezeichnet worden.

Der Künstler: Alexander Karle bezeichnet sich als Videokünstler. Das Gericht gab ihm am Montag Recht. Quelle: dpa

In dem Urteil des Landgerichts heißt es nun: „Kunst ist das, was der Künstler als Kunst bezeichnet.“ Und zwar ungeachtet dessen, ob diese Kunst nun gefalle oder provoziere. „Es steht uns nicht an, Herrn Karle das abzusprechen“, erklärte der Richter. Bei der Aktion möge es sich zwar um Unfug gehandelt haben, aber es fehle in jedem Falle „der beschimpfende Charakter“. Karle sei „dezent, ruhig und zurückhaltend“ vorgegangen.

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Allerdings habe sich der Angeklagte, als er im Januar 2016 über eine Kordel in den Altarraum der katholischen Basilika St. Johann stieg, des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. Dies sei auch nicht durch die Kunstfreiheit gedeckt. Deshalb sprach das Gericht eine Verwarnung aus, zudem erhielt Karle die Auflage, 500 Euro an eine Caritas-Jugendeinrichtung zu zahlen und eine weitere Strafe von 500 Euro, falls er gegen die Bewährung verstoße.

Der Künstler selbst erklärte nach dem Urteil, der Richter habe „sehr weise entschieden“. Pastor Eugen Vogt, der seinerzeit Anzeige gegen den Künstler erstattet hatte, zeigte sich enttäuscht. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Argumente der Staatsanwaltschaft mehr zum Tragen gekommen wären“, gab er zu. Nach wie vor halte er die Aktion für „ein grob ungehöriges und missachtendes Verhalten“. Dem Künstler sei jedes Mittel recht, um sich selbst bekannt zu machen.

Die Staatsanwältin ließ am Montag noch offen, ob sie gegen das Urteil des Landgerichts in Revision gehen will.

Von dpa/RND