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Panorama Löcher in Neapels Altstadt
Nachrichten Panorama Löcher in Neapels Altstadt
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07:52 30.11.2011
Ein riesiger Schlund tut sich in Neapels Altstadt auf – mit Naturgewalt lässt er sich nicht erklären.
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Neapel

Jetzt gähnt ein Schlund im Herzen von Neapel, zehn Meter tief, 200 Quadratmeter weit. Die Piazza Miraglia gibt es praktisch nicht mehr. Das ist schlecht, denn damit fällt ein Verkehrsknotenpunkt weg – keiner für Autos in diesen engen Altstadtgassen, sondern einer für die Besuchermassen, die auf eigenen Füßen in diesen Tagen zum großen traditionellen Weihnachtskrippenmarkt strömen – besser gesagt strömen sollten.

Eigentlich sind die Neapolitaner an Löcher gewöhnt. Seit mindestens 3000 Jahren durchwühlen sie den vulkanischen Tuffstein im Untergrund, um Baumaterial zu gewinnen, um die Stadt mit Wasser zu versorgen, um Fluchttunnels oder Keller zu schaffen. Neapels Unterwelt ist eine Stadt für sich. Das Netz der Gänge zieht sich bis in 40 Meter Tiefe hinab, und immer wieder sacken neue Straßen und Häuser runter.

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Einen so mächtigen Abgrund aber wie den auf der Piazza Miraglia sehen selbst die Neapolitaner nicht alle Tage. Nur: Wie ist es dazu gekommen? Sicherlich, sagen sie, das Wasser. Der Herbstregen war in diesem November stärker als üblich. Und weil das Kanalnetz löchrig, brüchig oder gar nicht vorhanden ist, bahnen sich die Fluten im Untergrund ihren Weg auf eigene Faust. Unter so manchem Pflaster, das zeigt sich jeden Herbst, ist längst kein Erdreich mehr.

Neun Meter unter der Piazza Miraglia aber ist den Ermittlern noch etwas ganz anderes aufgefallen. Da verläuft nämlich ein Tunnel, der nicht aus der Zeit alter Griechen, Römer oder Spanier stammt, sondern aus dem frühen 21. Jahrhundert nach Christus. In dem Tunnel stehen auch Kompressoren. Und Pressluftbohrer.

Der Tunnel verläuft in zwei Richtungen: Nach links geht’s zum Keller eines Postamts, nach rechts zu einer gotischen Kirche. Links steht einer der größten Postbanktresore Neapels, rechts eine reiche, in Jahrhunderten gewachsene Sammlung sakraler Kunst.   
Den Ermittlern schwant nun, dass sie’s nicht bloß mit Naturgewalten zu tun haben. Jetzt jagen sie eine „banda del buco“, eine Gruppe von Panzerknackern also, die sich durch den Untergrund zu ihren Zielen wühlt. Das ist zwar eine etwas rohe, aber bewährte und in Italien durchaus noch gebräuchliche Art, an Geld zu kommen.

Vielleicht können ja die Banditen, so sie eines Tages gefasst sind, den Zusammenhang ihrer Tätigkeit mit dem Abgrund in der Piazza Miraglia erklären. Sicher ist derzeit nur, dass sie die Örtlichkeit fluchtartig verlassen haben. Warum, dazu gibt es zwei Theorien: Entweder war ihr Tunnel in einem vom Wasser bereits ausgehöhlten Untergrund das letzte Loch, das für den großen Zusammenbruch noch gefehlt hat. Oder die Panzerknacker haben Leitungen angebohrt. Es gibt Leute, die sich das so ausmalen: Statt der Wand zum Tresor durchstoßen die Pressluftbohrer die Kanalisation, und auf die Gangster strömen zähbraun Neapels gesammelte Hinterlassenschaften herab.

Paul Kreiner

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