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Panorama Deutsche restaurieren Maske Tutanchamuns
Nachrichten Panorama Deutsche restaurieren Maske Tutanchamuns
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15:38 29.10.2015
Millimeterarbeit: Die Mainzer Restauratoren Christian Eckmann (r.) und Katja Broschat nehmen die Maske von Tutanchamun ins Visier. Quelle: dpa
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Kairo

Es war eine einzige Unaufmerksamkeit an einem Augusttag des vergangenen Jahres, die ausreichte, um ein Kulturerbe zu Bruch gehen zu lassen. Draußen die glühende Hitze Kairos. Drinnen, hinter dickem Panzerglas, Gesichtszüge aus purem Gold: Der kunstvoll gearbeitete Bart der Totenmaske von Pharao Tutanchamun hängt fragil unter dem ebenen Kinn. Noch. Denn nun muss die Glühbirne in der Vitrine ausgewechselt werden.

Es geschieht, was nicht geschehen darf. Als der mehr als zwölf Kilogramm schwere Kunstschatz der alten Ägypter nach seiner Entnahme wieder auf den Sockel gehievt wird, bricht der lange Zeremonialbart vom weltberühmten Konterfei. Panik im Ägyptischen Museum. Der gestutzte König wird eilig – und etwas schlampig – wieder zusammengeklebt. Seit einigen Tagen beugen sich nun deutsche Spezialisten über die Maske – um zu restaurieren, was zu restaurieren ist.

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Museumsraum erinnert an Operationssaal

"Shit happens", sagt Christian Eckmann, Restaurator vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Er sitzt im Schatten einer Palme. An ihm vorbei läuft eine asiatische Reisegruppe zum Eingang des Ägyptischen Museums. Den Stolz des Hauses bekommen sie heute nur als Hologramm zu sehen. Das Original ist in den Händen der Experten. "Der Kleber muss mechanisch entfernt werden", erklärt Konservatorin Katja Broschat. Er bestehe aus unlöslichem Epoxidharz.

Deshalb sitzen Eckmann und Broschat nun täglich in einem Raum des Museums, der irgendwie an einen Operationssaal erinnert: Gerätschaften um sie herum, ein Scheinwerfer und ein Mikroskop auf den liegenden Patienten und seinen berühmten Bart gerichtet.

Kleber wird millimeterweise abgeschabt

"Er beginnt zu wackeln", sagt Christian Eckmann. Um das Gold zu schonen, schaben die beiden den Kleber zwischen Bart und Kinn mit Lindenholzstäbchen Millimeter für Millimeter ab. In einigen Tagen wollen sie den Bart von der Maske getrennt haben – so wie er einst ins Museum gekommen war, nachdem der Ägyptologe Howard Carter 1922 die Grabkammer des Kinderpharaos Tutanchamun im Tal der Könige in Luxor entdeckt hatte. Einiges deutet darauf hin, dass die Maske des vor rund 3300 Jahren gestorbenen Herrschers und der Bart lediglich mit einer lösbaren Steckverbindung zusammengehalten wurden.

War die Maske für eine Frau gedacht?

Doch in dem Unglück liegt auch eine Chance: Die Arbeiten werden dazu genutzt, Untersuchungen an der Totenmaske vorzunehmen. Damit könnten unter anderem Hinweise für die weitverbreitete Theorie gefunden werden, dass sie ursprünglich gar nicht für Tutanchamun, sondern für eine Frau gedacht war. Außerdem weiß niemand, wie es im Barte des Tutanchamuns aussieht und womit er gefüllt ist. Eckmann und Broschat werden bald die Ersten sein.

Der Druck für die Spezialisten ist gewaltig

Bis dahin sind Druck und Erwartungen gewaltig. Schließlich ist der unermesslich wertvolle Kunstschatz ein Teil der ägyptischen Identität, der auch Eckmann nicht kaltlässt: "Ich muss zugeben, dass es in meiner beruflichen Karriere schon ein sehr bemerkenswerter Moment war, als er dann vor mir lag", sagt er. "Ich könnte besser schlafen, würde das schöne Stück wieder in der Vitrine stehen."

Von Benno Schwinghammer

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