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Panorama Mehr als 200 Skimming-Fälle in Braunschweig gemeldet
Nachrichten Panorama Mehr als 200 Skimming-Fälle in Braunschweig gemeldet
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20:40 09.06.2010
Beim Skimming montieren die Täter einfach eine zweite, täuschend echt aussehende Tastatur auf den Geldautomaten. Kunden bemerken den Betrug nicht beim Geldabheben. Quelle: Kris Finn
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Der Schaden beträgt rund 250.000 Euro. „Und da kommt sicher noch mehr auf uns zu“, sagt Polizeisprecher Joachim Grande.

2009 gab es in ganz Niedersachsen 160 Skimming-Fälle, der Schaden betrug rund zwei Millionen Euro.

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In Braunschweig sind Kunden mehrerer Geldinstitute betroffen, Tatort war eine Filiale der Deutschen Bank. In nur drei Tagen wurden von diversen Konten Beträge von bis zu 9000 Euro abgehoben. „Mir ist nicht bekannt, dass es in Deutschland jemals eine solche Häufung von Skimming-Fällen gegeben hat“, sagt Polizeisprecher Grande.

Mittlerweile ist klar, dass die Diebe einen Geldautomaten im Vorraum der Filiale manipuliert hatten, um Kontodaten und PIN-Nummern auszuspionieren. „Wie das genau geschehen ist, wissen wir nicht. Die Täter konnten die Geräte unbemerkt wieder abbauen“, sagt Grande. Es sei wahrscheinlich, dass kleine Kameras oder manipulierte Tastaturen eingesetzt wurden. „Die Aufzeichnungen der Überwachungskameras sind schon überschrieben“, ärgert sich Grande. Der Zeitpunkt für den Diebstahl war klug gewählt: „Am Monatsanfang gehen viele Menschen zur Bank. Es ist viel Geld auf den Konten“, sagt der Polizeisprecher. Bereits im März waren Geldautomaten der gleichen Bankfiliale manipuliert worden. Damals hatten die Täter eine Kamera in einem Rauchmelder installiert, der wenig später von der Decke fiel. Dennoch wurden 22 Opfern insgesamt etwa 36.000 Euro gestohlen.

Die Diebe haben die Zeichen der Globalisierung erkannt, operieren mittlerweile weltweit. Die jüngsten Abbuchungen fanden in Osteuropa, England, Kenia, Südafrika und Peru statt. „Die Technik ermöglicht es, blitzschnell an die notwendigen Daten zu kommen“, erklärt Grande. Die Komplizen im Ausland erhielten dann einen Anruf oder eine E-Mail, könnten gefälschte Karten herstellen und an das Geld gelangen. Sicherungsvorkehrungen seien zwar auf dem Markt, „aber einigen Banken wohl zu teuer“.

Am Mittwochnachmittag war der manipulierte Automat noch gesperrt. Aber an den anderen Geräten standen wieder Kunden. Die wenigsten von ihnen zeigten sich beunruhigt. „Irgendwie muss man ja an sein Geld kommen“, meinte Ruheständler Walter Erba. Er habe „nie damit gerechnet, dass so etwas hier passiert“. Einer Geschäftsfrau wurden mehr als 2000 Euro gestohlen. „Gestern war noch alles in Ordnung. Heute sehe ich, dass in Bulgarien etwas von meinem Konto abgebucht wurde“, sagt sie. Automaten-Benutzer Michael Seidel gab sich sicher, dass ihm ein solcher Verlust nicht drohe. Sein Rezept gegen das Skimming ist ganz einfach: „Ich räume mein Konto immer so weit wie möglich leer.“

Jens Krone und Christian Albroscheit