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Panorama Mehrere Schwerverletzte bei Zugunglück in Braunschweig
Nachrichten Panorama Mehrere Schwerverletzte bei Zugunglück in Braunschweig
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14:42 20.01.2010
An einem Bahnübergang kollidierte eine Regionalbahn der Deutschen Bahn mit einem LKW. Daraufhin entgleiste der Zug und stürzte auf ein Feld. Quelle: lni

Ein Lastwagenfahrer hat eine verbotene Abkürzung über eine Bahnstrecke gewählt und damit in Braunschweig ein Unglück mit 16 Verletzten ausgelöst. Ein Regionalzug stieß am Mittwochmorgen bei Rüningen mit dem Getreide-Lastwagen zusammen, der über die Gleise gefahren war, weil die Zufahrt zu einer nahen Mühle noch versperrt war. Der vordere Waggon des zweiteiligen Dieseltriebwagens entgleiste und landete auf einem Feld.

Mit dem Zug waren viele Berufsschüler unterwegs. Es entstand enormer Schaden, die Strecke wurde gesperrt. Drei der Reisenden wurden schwer verletzt, befinden sich aber nicht in Lebensgefahr. Sie erlitten Kopf-, Becken- und Bauchverletzungen.

Statt des noch mit einem Tor versperrten Zufahrtsweges parallel zur Bahnstrecke hatte der Lastwagenfahrer nach Erkenntnis der Feuerwehr eine Abkürzung über die Bahngleise zu dem Werksgelände gesucht. „Auf den Bahnschienen blieb er mit seinem Fahrzeug stecken“, sagt Bundespolizeisprecher Uwe Borchers. Der 53-Jährige stieg aus, um Hilfe zu holen, er blieb unverletzt. Der Tempo 80 fahrende Zug fuhr trotz einer Notbremsung frontal auf den stehenden Lastwagen auf und schleifte ihn 50 Meter weit mit. 30 Tonnen Weizen, die der Laster geladen hatte, verteilten sich auf den erheblich beschädigten Gleisen.

Der mit 58 Fahrgästen besetzte Regionalzug war nach Angaben der Bahn von Salzgitter-Lebenstedt nach Braunschweig unterwegs. Der Zugführer erlitt bei dem Unfall gegen 07.40 Uhr einen Schock, blieb aber körperlich unverletzt. 135 Einsatzkräfte eilten zu dem Unglücksort an dem mit Blinklichtern und Halbschranken gesicherten Übergang. Die zweigleisige Regionalstrecke wurde nach dem Unfall gesperrt. Für Reisende wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen angeboten.

Bei dem Zusammenstoß liefen nach Angaben der Feuerwehr große Mengen Dieselkraftstoff aus. Die Bergungsarbeiten sollten mehrere Stunden dauern. An der Unglücksstelle traf ein großer 100-Tonnen-Kran ein, um die verunglückten Fahrzeuge wegzuschaffen. Von dem rotfarbenen Zug wurde bei dem Zusammenprall dem Anschein nach die erste Achse herausgerissen. Der vollkommen zertrümmerte Lastwagen blieb auf den Gleisen stehen.

„Wir hatten einen Schutzengel“

Vielen Fahrgästen steckt der Schock in den Gliedern. Im Zug sitzen etliche Berufsschüler. „In dem Moment des Aufpralls wusste ich, dass man sterben kann“, sagt Meltem Aykar. Die 39-Jährige aus Salzgitter hat zwar nur ein paar Prellungen abbekommen, doch ihr Zittern lässt ihren Schreck erahnen.

„Ich habe vorn gesessen und geschlafen, auf einmal bin ich durch die Luft geflogen“, erzählt die 18-jährige Mandy. „Es hat einen unheimlichen Rums gegeben, dann hat es doll gewackelt und alle haben geschrien“, ergänzt ihre 20 Jahre alte Freundin Dana. Die beiden angehenden Tierarzthelferinnen erleiden leichte Verletzungen und werden in der Kantine der Mühle von einem Arzt versorgt. Andere Fahrgäste kommen in umliegende Krankenhäuser, die meisten müssen nur ambulant behandelt werden. Drei Schwerverletzte werden stationär behandelt. „Die meisten Unfallopfer waren sehr gefasst“, sagt Manfred Brandes, Einsatzleiter der Feuerwehr Braunschweig. Sie werden psychologisch betreut.

„Als die Feuerwehr kurze Zeit nach dem Aufprall eintrifft, haben bis auf zwei schwer Verletzte alle den Zug schon verlassen und sich auf der Straße gesammelt“, sagt Feuerwehrleiter Michael Hanne. Der 42-jährige Zugführer bleibt körperlich unverletzt, da er unter Schock steht, kann er zunächst aber nicht vernommen werden. Nachdem er den Lastwagen gesehen hatte, soll der Bahnfahrer noch aufgesprungen und seine Fahrgäste gewarnt haben.

„Dass einer wissentlich auf das Gleisbett fährt und so einen Unfall verursacht, das habe ich noch nicht gehört“, sagt eine Sprecherin der Bahn. Wann die Strecke wieder freigegeben wird, ist noch unklar. Meltem Aykar will sich noch überlegen, ob sie in der nächsten Woche wieder mit den Zug nach Braunschweig fährt. „In den Nachrichten sieht man die Bilder von Unglücken und denkt immer, so etwas kann einem nicht passieren“, sagt die Mutter zweier Kinder. „Wir hatten einen Schutzengel“, schiebt sie nach.

Hintergrund: Triebzug VT 628

Der bei Braunschweig an einem Bahnübergang verunglückte Diesel-Triebzug der Baureihe 628 ist ein überall in Deutschland anzutreffender Regionalzug der Deutschen Bahn. Seit mehr als 20 Jahren wird der VT 628 hauptsächlich auf Nebenstrecken eingesetzt. Er bietet damit den Reisenden eine Verbindung zu den städtischen Zentren und dem Fernverkehrsnetz. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei Tempo 120, die Leistung beträgt rund 520 PS. Der 69,9 Tonnen schwere zweiteilige Zug bietet knapp 150 Sitzplätze und ebenso viele Stehplätze. Im Zug lassen sich auch sperrige Güter und bis zu 12 Fahrräder transportieren. Inzwischen wird der VT 628 durch Leichttriebwagen der neuen Generation abgelöst.

lni

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