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Panorama Millionen Jecken
 feiern 
bei Rosenmontagsumzügen
Nachrichten Panorama Millionen Jecken
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bei Rosenmontagsumzügen
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19:48 15.02.2010
Eine rosige Angela-Merkel-Figur greift unter dem Titel „Der Sündenfall“ nach einer Steuer-Flucht-CD, die ihr eine Schlange im Paradies anbietet. Quelle: dpa
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Selbst Schnee und klirrende Minusgrade konnten die Karnevalisten am Rosenmontag nicht vom Feiern abhalten. In wärmende Ganzkörperkostüme gehüllte Jecken staunten nicht schlecht, wie heiß es vor allem auf den Wagen der Umzüge in den rheinischen Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf herging. Wie schon in den vergangenen Jahren ließ die Kanzlerin die Hüllen fallen.Charmant schamlos präsentierten sich die traditionell bissigen Düsseldorfer. Eine wohlgeformte rosige Angela-Merkel-Figur griff unter dem Titel „Der Sündenfall“ nach einer Steuer-Flucht-CD, die ihr eine Schlange im Paradies anbot.

Noch stärker als die Vertreter der schwarz-gelben Koalition wurden in Köln und Düsseldorf jedoch die internationalen Politiker aufs Korn genommen. Insbesondere der italienische Ministerpräsident Berlusconi musste ordentlich Federn lassen. Die Jecken in der Domstadt spielten nicht nur auf die angeblich zahlreichen amourösen Abenteuer des 73-Jährigen an. In Düsseldorf wurde auf einem der rund 70 Wagen ebenfalls seine häufig diskutierte Verbindung zur Mafia thematisiert. Zu sehen war der konservative Politiker dabei unter der Überschrift „Homo Ehe italienisch“ in eindeutiger Stellung mit einem Mafiaboss.

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Für Ute Schimanski, die bereits vor dem offiziellen Startschuss einen Blick auf die aufgereihten Wagen werfen konnte, war das wie immer „ein großer Spaß“. Gegen die Kälte schützte sich die als Biene verkleidete 32-Jährige mit mehreren Schichten Strumpfhosen, Pullis und Jacken. „Wenn gar nichts mehr geht, wird eben getanzt“, sagte sie.

Auch in der Karnevalshochburg Köln war Schunkeln und Singen angesagt: Laut dröhnten „Kölle alaaf“ und andere Gassenhauer aus den Lautsprechern. Begeistert grüßte das närrische Volk unter dem Motto „In Kölle jebützt“ (In Köln geküsst) jeden der vorbeifahrenden 130 Fest-, Prunk- und Persiflagewagen und forderte lauthals „Kamelle“ ein. 140 Tonnen Süßigkeiten und mehr als 700.000 Tafeln Schokolade standen als „Wurfmaterial“ zur Verfügung. Polizei und Sanitätsdienste berichteten von friedlichen Feiern.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt trugen viele Tiger, Hasen und Bären in diesem Jahr Schal, Scheichs kamen in Thermojacken, Mönche und Nonnen in dicken Stiefeln. Nur wenige Wagemutige zeigten nacktes Bein. „Da hilft nur Warmschunkeln“, sagten die Männer von der kurzberockten Römergarde Weiden. „Wir tragen alle Damenstrumpfhosen, Stärke 70d, blickdicht, das hilft“, meinte Schatzmeister Michael Hoffmann.

Verderben ließen sich die Kölner Jecken ihre Laune auch nicht von den Sicherheitsbedenken wegen des Pfuschs am Kölner U-Bahn-Bau. Ermittlungen zufolge sollen zu wenig Stahlbügel in die Stützwände der Schachtwände eingebaut worden sein. Obwohl die betroffenen Haltestellen auf der Zugstrecke liegen, hielten sich die Sorgen der Kölner am Montag in Grenzen.

„Wir lassen uns den Spaß nicht verderben“, sagte Hartmut Jarofke, Vorsitzender des Karnevalsvereins „Die Große von 1823“. „Alles sicher“, meinte Stephan Kramer, der selbst im Zug mitlief. „Man kann das nur mit Humor nehmen“, fügte seine Frau Bärbel hinzu und verwies auf einen der Wagen des Umzuges: Drei Affen – Vertreter der Kölner Verkehrsbetriebe, der Gutachterzunft und der Stadt Köln – hatten sich auf einem Trümmerberg des Kölner Stadtarchivs mit der Aufschrift „Aussitzen“ niedergelassen. Wenige Meter entfernt machte sich ein Bauarbeiter mit einem Stahlträger auf und davon.

ap