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Panorama Millionenbetrug mit falschen Flirt-SMS
Nachrichten Panorama Millionenbetrug mit falschen Flirt-SMS
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22:43 04.02.2010
Ein Mann aus Seesen soll die Nutzer der von ihm betriebenen SMS-Flirtbörsen um insgesamt rund vier Millionen Euro geprellt haben. Quelle: dpa
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Der Mann soll die Nutzer der von ihm betriebenen SMS-Flirtbörsen um insgesamt rund vier Millionen Euro geprellt haben.

Vier Firmen hatte der Beschuldigte gegründet, für die er in Anzeigen, im Internet oder per Telefon warb. Alle dienten sie angeblich dazu, kontaktsuchenden Singles den Weg zur neuen Partnerschaft zu ebnen. Die Kunden mussten nur SMS mit ihren Daten an sogenannte Premium-Kurzwahlnummern versenden und erhielten fast umgehend Antworten von offenbar Gleichgesinnten.

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Ganz so einfach lief das allerdings nicht. So mussten die Nutzer für jede der Kurzmitteilungen immerhin 1,99 Euro zahlen. Und bei den vermeintlichen Chatpartnern handelte es sich um bezahlte Animateure in einschlägigen Agenturen. Bis zu 500 davon waren für den Mann tätig. Sie erklärten, sie seien an neuen festen Beziehungen interessiert, täuschten falsche Identitäten vor und stellten oft sogar Treffen im echten Leben in Aussicht. Erst nach vielen teuer versandten SMS merkten die meisten Kunden, dass sie einem Schwindel aufgesessen waren.

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst gewesen“, erklärte der unsicher wirkende Angeklagte gestern vor Gericht kleinlaut. Er habe sich im Vorfeld bei den Providern, die ihm die kostspieligen Rufnummern zur Verfügung stellten, informiert. Die Unternehmen hätten ihm versichert, dass sein Vorhaben legal sei. Trifft das zu, ist es möglich, dass die Provider an dem Betrug mitverdienten. Telefonanbieter registrierten durch die Aktivitäten des Harzers fast 2,1 Millionen SMS und erzielten dabei einen Bruttoumsatz von rund 4,1 Millionen Euro. Etwa 3,9 Millionen Euro davon flossen an die Firmen des Mannes zurück.

Auf die Idee sei er durch seine eigenen Erfahrungen in der Branche gekommen, berichtete der 30-Jährige weiter. Weil er arbeitslos gewesen sei und Geld benötigte, habe er selbst zunächst als Animateur gejobbt. Als sich ihm dann die Gelegenheit bot, selbst in das Geschäft einzusteigen, habe er zugegriffen, sagte der Angeklagte.

Das Gericht hat Verhandlungstermine bis Ende Februar angesetzt. Befürchtungen, der Prozess könne sich in die Länge ziehen, gibt es nicht. „Mein Mandant wird hier kooperieren, natürlich auch in der Hoffnung auf eine mildere Strafe“, kündigte Verteidiger Christof Sieverts an. Außerdem sei der Angeklagte natürlich einverstanden, wenn das von seinen Konten beschlagnahmte Geld für eventuelle Schadensansprüche der Nutzer verwendet werde. Wie lange die rund 400 000 Euro dann reichen, ist ungewiss. Schließlich geht die Anklage von mehr als 191 000 betrogenen Kunden aus. In Kiel standen bereits im September 2009 sechs Angeklagte wegen ähnlicher Vorwürfe vor Gericht.

Jens Krone