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Panorama Millionenschaden: Liebesnacht im Hotel wird zum Albtraum
Nachrichten Panorama Millionenschaden: Liebesnacht im Hotel wird zum Albtraum
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22:10 13.06.2010
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Eine Liebesnacht ist für ein junges Ehepaar zum Albtraum geworden. Weil sie nicht mehr an die angezündeten Kerzen dachten, entzündete sich in ihrem Zimmer in einem Göttinger Hotel die Bettdecke. Alle Löschversuche scheiterten, am Ende stand das ganze Hotelzimmer auf der Westseite des Altbaus in Flammen. Beißender Rauch hüllte nach 1.15 Uhr in der Nacht zu Sonntag das Hotel „Freizeit In“ an der Autobahn 7 ein. 192 Gäste mussten evakuiert werden, sechs von ihnen erlitten Rauchverletzungen. Das junge Paar räumte gegenüber der Polizei die fahrlässige Brandstiftung sofort ein.

Mit der Drehleiter und unter schwerem Atemschutz konnten die Feuerwehren die Flammen eindämmen. Erst gegen 2.04 Uhr galt der Brand als endgültig unter Kontrolle. Verletzt wurden sechs Hotelgäste. Sie erlitten durch Rauch Atemwegsverletzungen und wurden in Göttinger Krankenhäuser gebracht. Sämtliche anderen Gäste wurden evakuiert. Eingehüllt in Bademäntel und Decken warteten sie in der Orient Lounge, die vom Feuer nicht betroffen war, auf Entwarnung. Klänge wie beim Bingo-Lotto drangen aus der Halle, als Mitarbeiter die Nummern der Zimmer aufriefen: „434, 435, die 135, 136 ...“ Am Ende waren alle 192 Gäste erfasst und in Sicherheit. Gegen 3 Uhr konnten sie zurück in ihre Zimmer oder andere Räume.

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Das war nicht selbstverständlich. Obwohl jeder einzelne Gast von der Feuerwehr rechtzeitig geweckt wurde, mussten zwei Personen unter Fluchthauben gerettet werden. Zwei weitere konnten nur noch über Steckleitern ihr Hotelzimmer verlassen. Einige Gäste hätten versucht, vom Balkon aus noch das Feuer im Nachbarzimmer mit der Kamera festzuhalten, berichtete einer der Gäste.

Weil 24 bis 26 Zimmer des Trakts durch Rauch beschädigt sind und weitere Wasserschäden erlitten haben könnten, rechnet die Geschäftsführung mit mehreren Monaten Renovierungszeit und Einnahmeausfällen. Wegen der Tagungssaison müssen eventuell Ausweichmöglichkeiten für langfristig gebuchte Gäste gefunden werden. Es sei mit einem Schaden von voraussichtlich 750 000 Euro zu rechen, möglicherweise bis in Millionenhöhe.

Jürgen Gückel