Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Mobbing und Angst vor Irak-Einsatz Grund für Bluttat?
Nachrichten Panorama Mobbing und Angst vor Irak-Einsatz Grund für Bluttat?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:07 06.11.2009
„Er wusste nicht mehr weiter“ Quelle: AFP
Anzeige

Wie sein Cousin Nader Hasan dem US-Sender Fox News sagte, wurde Hasan, ein Muslim palästinensischer Abstammung, wegen seiner Herkunft und seines Glaubens von Kollegen gemobbt. Auch die unmittelbar bevorstehende Entsendung in den Irak belastete ihn.

Bekleidet mit einem knöchellangen, weißen Gewand, der vor allem im arabischen Raum traditionellen Dischdascha, betrat Hasan noch am Morgen vor der Tat einen Lebensmittelladen der Kette 7-Eleven auf dem Stützpunkt. Er habe wie fast jeden Tag Kaffee und Kartoffelröstis gekauft, sagte der Besitzer dem Fernsehsender CNN, der die Bilder der Überwachungskamera ausstrahlte. Wie immer hätten sie beide ein bisschen geplaudert. Der gläubige Muslim Hasan habe ihn dabei stets gefragt, ob er am Freitagsgebet teilnehme, sagte der Ladenbesitzer.

Anzeige

Vor einer Woche habe der Major ihm erstmals seine Ängste vor der noch im November anstehenden Entsendung in den Irak geschildert. Vor allem plagten Hasan demnach die Gedanken, dort gegen Muslims kämpfen zu müssen. „Er schämte sich dafür, entsendet zu werden“, sagte Hasans Cousin Nadal der Zeitung „New York Times“. „Er hatte Patienten, die ihm so gut wie jeden Tag von dem Horror erzählt haben, den sie erlebt haben.“

Zudem hätten die Schikanen seiner Kollegen dem Psychiater mit den markanten dunklen Augenbrauen und dem schütteren Haar heftig zugesetzt. „Er hat sich einen Militäranwalt genommen, um das Problem zu lösen. Er wollte die Armee verlassen. Er hat alles versucht und wusste nicht mehr weiter“, sagte der Cousin Fox News.

Seinen Angaben zufolge wurde Nidal Malik Hasan in den USA geboren. Seine palästinensischen Eltern stammen demnach ursprünglich aus einer Kleinstadt nahe Jerusalem. Hasan ging in Roanoke im US-Bundesstaat Virginia zur Schule. Anschließend ging er auf die Virginia Tech University, die im April 2007 Schauplatz eines fatalen Massakers war. Während seiner Ausbildung spezialisierte sich der heute etwa 40-Jährige unter anderem auf die psychiatrische Hilfe in Katastrophenfällen. Als Militär verpflichtete er sich entgegen dem Wunsch seiner Eltern.

Nach allem, was am Freitag über Hasan bekannt war, spielte der muslimische Glauben eine bedeutende Rolle in seinem Leben. Während seiner Facharztausbildung in Washington nahm er täglich an den Gebeten einer muslimischen Gemeinde teil, wie der frühere Imam Faizul Khan der „Washington Post“ sagte. Hasan sei „strenggläubig“ gewesen und habe sich mit ihm oft über religiöse Fragen unterhalten. „Aber in seinen Fragen lag nichts Extremes. Er war niemals frustriert.“

Einer seiner früheren Kollegen ist da anderer Ansicht. Hasan habe einmal gesagt: „Die Muslime sollten aufstehen und gegen den Aggressor kämpfen“, berichtete Oberst Terry Lee dem Sender Fox News. „Zuerst dachten wir, er würde darüber sprechen, wie Muslime den bewaffneten Einsatzkräften im Irak und in Afghanistan helfen könnten, aber offensichtlich war das nicht der Fall.“ Als Hasan am Donnerstag wild um sich feuerte, verhinderten einige seiner Kollegen mit gezielten Schüssen ein noch größeres Blutbad. Der Amokläufer wurde auf eine Intensivstation gebracht.

AFP