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Panorama Mord vor 29 Jahren: Lebenslange Freiheitsstrafe
Nachrichten Panorama Mord vor 29 Jahren: Lebenslange Freiheitsstrafe
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12:24 03.11.2010
Um die sexuelle Nörigung tötete ein Mann sein Opfer. Am Mittwoch wurde er nach 25 Jahren zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.
Um die sexuelle Nörigung tötete ein Mann sein Opfer. Am Mittwoch wurde er nach 25 Jahren zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Quelle: dpa
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29 Jahre nach dem Mord an der Abiturientin Swantje hat das Landgericht Stade ihren Mörder zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Mit einem Kälberstrick hatte der heute 50-Jährige die junge Frau im August 1981 gewürgt und mehr als 60 Mal auf sie eingestochen. Die nackte Leiche ließ er in einem Wassergraben in Neuenkirchen nahe der Niederelbe liegen. „Er tötete sie vorsätzlich, um die sexuelle Nötigung zu verdecken“, sagte der Vorsitzende Richter Berend Appelkamp am Mittwoch.

Während der halbstündigen Urteilsbegründung verriet das Gesicht des Angeklagten keine Regung. Mit der lebenslangen Haft folgte das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung, die auf Freispruch plädiert hatte, will Revision einlegen. Erst 2008 war die Polizei dem Straßenbauarbeiter mit Hilfe neuer DNA-Untersuchungsmethoden auf die Spur gekommen. Über seinen Anwalt ließ der Mann zu Prozessbeginn seine Unschuld beteuern. Er selbst äußerte sich vor Gericht nicht.

Der damals 21-Jährige zwang die gleichaltrige Frau nach Überzeugung der Kammer auf einem späten Spaziergang, mit zu einem abseitigen Feldweg zu kommen. Entweder habe er sie dann selbst gegen ihren Willen ausgezogen oder sie mit Gewalt dazu gebracht.

Eine Fülle von Indizien habe den 50-Jährigen überführt, erklärte Appelkamp. Einzeln genommen reiche keiner dieser Beweise aus. Zumal die Erklärungen des Angeklagten dafür nicht als unmöglich ausgeschlossen werden könnten. Erst die „Gesamtschau“ bringe die für eine Verurteilung notwendige Gewissheit, betonte Appelkamp.

Am Tatort lagen überall Kleidungsstücke verstreut. Der genetische Fingerabdruck des Angeklagten wurde am T-Shirt des Opfers entdeckt. Bei der Polizei hatte der Mann eingeräumt, nach der Bluttat am Tatort gewesen zu sein. Er habe die Leiche im Graben gesehen, sei in Panik weggelaufen. Dabei könne es sein, dass er die Kleidung der Toten berührt habe. Auch ein Haar an einem Schal stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihm.

Das Verhalten des Mannes in der Vernehmung bei der Polizei sei sehr auffällig gewesen, meinte der Vorsitzende Richter. Als dem Beschuldigten ein Foto der ermordeten 21-Jährigen gezeigt wurde, sei ihm schlecht geworden. Der Angeklagte muss seine Haftstrafe erst antreten, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Bis zur Entscheidung des Bundesgerichtshofes darf der 50-Jährige auf freiem Fuß bleiben. Sein Anwalt rechnete nicht vor Sommer nächsten Jahres mit einer BGH-Entscheidung.

dpa