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Panorama Münchner Nostalgie-Wiesn erinnert an Oktoberfest-Ursprünge
Nachrichten Panorama Münchner Nostalgie-Wiesn erinnert an Oktoberfest-Ursprünge
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17:47 17.09.2010
Eröffnet wurde die historische Wiesn mit einem Salut der Gebirgsschützen. Quelle: dpa
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Mit dem Protokoll hapert es noch. Zum Salut der Gebirgsschützen muss sich der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) - zum 200-jährigem Jubiläum des Oktoberfests automatisch in der Rolle des Regenten - das richtige Kommando einflüstern lassen. „Fortfahren“, ruft er dann mit königlich fester Stimme. Kapellen spielen die Bayernhymne, Böllerschüsse hallen über den Platz, über dem ein riesiger Kran eine Baustelle markiert. Ansonsten ist zur Eröffnung der historischen Wiesn am Freitag alles haarklein den Ursprüngen nachempfunden.

Ein echtes bayerisch-sächsisches Brautpaar repräsentiert Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen, aus deren prunkvoller Hochzeit am 12. Oktober 1810 das Oktoberfest hervorging - heute das buchstäblich rauschendste Volksfest der Welt.Sie im weißen Kleid mit langer Schleppe und bei 14 Grad vor Kälte zitternd, er in blauer Jacke mit goldenen Epauletten, weißer Hose und hohen Stiefeln - tapfer winken der Jubiläums-Kronprinz Markus Huttner (29) und seine Verlobte Christin Berger (25) von der Kutsche aus den jubelnden Menschenmassen zu.

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Er sei „noch ein bisschen angespannt“, gibt der Bräutigam zu, der zuvor mit seiner Braut neben Herzog Max in Bayern als „echtem“ Vertreter des Hauses Wittelsbach und dessen Frau Gräfin Douglas in riesigen rotsamtenen Stühlen den Fotografen standgehalten hatte. „Man muss erst in die Rolle hineinwachsen.“ Die beiden gehören zu den drei bayerisch-sächsischen Brautpaaren, die Ude zur Erinnerung an die historische Hochzeit trauen wird.

Mit einem Pferderennen hat am Freitag in München die historische Wiesn begonnen. Einen Tag vor dem Beginn des regulären Oktoberfests gab Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) das Startsignal und eröffnete damit das Fest, das an das 200-jährige Bestehen der Wiesn erinnern soll.

Ein Pferderennen war damals krönender Abschluss des Hochzeitsfests - daraus entstand das größte Volksfest der Welt, bei dem heute vor allem Bier ohne Ende fließt. Praktisch alle Münchner, damals 40.000 Menschen, waren auf den Beinen, um das Rennen zu sehen. „Da müssten wir heute 1,3 Millionen Menschen begrüßen - das haben nicht ganz geschafft“, sagt Ude, der geschichtsgetreu die historische Wiesn mit einem Pferderennen eröffnete.

Laut Polizei kamen dazu immerhin 10.000 Münchner, viele festlich in Tracht und Lederhose.
Auch vor 200 Jahren hatten sich die Menschen fein gemacht: Gemälde zeigen eine herausgeputzte Menge, die an der nach der Braut benannten Theresienwiese das Pferderennen verfolgt. Damals gab es keine Bierzelte, sondern Buden aus Brettern, Schausteller und Fahrgeschäfte fehlten noch.

Die Idee zu dem Pferderennen entstand damals nicht im Königshaus, sondern kam von einem „Taxler“. Der Lohnkutscher Franz Baumgartner, der in der Kavallerie der Nationalgarde Wehrdienst leistete, unterbreitete den Vorschlag dem Kavallerie-Major, Andreas von Dall’ Armi, der beim König die Erlaubnis einholte. Dall’ Armi war Generalkontrolleur der Staatsschuldentilgungskommission - ein Amt, das es nicht mehr gibt, schließlich würden ja heute keine Schulden mehr getilgt, wie Ude süffisant anmerkt.

Der Oberbürgermeister und seine Stadträte sind im Gehrock des Magistrats mit goldener Amtskette und Zylinder gekommen. Die Stadträtinnen tragen, da es vor 200 Jahren keine Frauen in dem Amt gab, die historische Münchner Tracht mit Mieder. Zwei Stunden dauere es, bis frau dieses angezogen habe - was ohne Hilfe sowieso unmöglich sei, gibt eine der Damen zu. Dem OB hingegen gefällt das historische Kostüm bestens: „Ich bin begeistert - und es macht schlank.“

dpa