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Panorama Muslimin in Göttingen wegen Kopftuch verprügelt
Nachrichten Panorama Muslimin in Göttingen wegen Kopftuch verprügelt
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20:43 18.11.2009
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Wie die Polizei erst am Mittwoch mitteilte, ereignete sich der ausländerfeindliche Übergriff am Rande einer Demonstration von Autonomen am Sonnabendnachmittag. Die 24-jährige Deutsche syrischer Herkunft habe dabei Schürfwunden und Prellungen erlitten. Die Studentin war auf dem Weg zu ihrem Auto, das sie auf dem Parkplatz am Universitätscampus an der Weender Landstraße abgestellt hatte. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das von Autonomen errichtete Mahnmal, das an den Tod der Studentin Cornelia Wessmann vor 20 Jahren erinnert. Die Studentin war am 17. November 1989 während eines Polizeieinsatzes nach Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremen Skinheads und Autonomen vor ein fahrendes Auto gelaufen und tödlich verletzt worden.

Am Sonnabend versammelten sich in der Göttinger Innenstadt rund 1400 Autonome, um anschließend einen Demonstrationszug zu diesem Mahnmal zu unternehmen. Nach Angaben der Polizei wurde die an der Demonstration völlig unbeteiligte 24-Jährige, die ein Kopftuch trug, auf dem Parkplatz von den vier Männern angepöbelt. Einer von ihnen habe sie sofort zu Boden gestoßen, dann habe ein zweiter Täter ihr mehrfach mit dem Fuß in den Rücken getreten. Währenddessen hätten die Unbekannten sie durch ausländerfeindliche Äußerungen beleidigt, die auf ihre Herkunft und ihre Kleidung abzielten. Sie solle „endlich deutsch“ werden, hetzten die Angreifer unter anderem. Danach entfernten sich die Unbekannten, von ihnen fehlt bislang jede Spur.

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Die verletzte Studentin berichtete zunächst ihrer Mutter von der Attacke, die dann die Polizei informierte. Ob die Täter aus der rechtsextremistischen Szene kommen, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar. Die 24-Jährige konnte lediglich drei der vier Täter beschreiben. Die Kleidung der Unbekannten habe nicht unbedingt dem typischen Erscheinungsbild von Neonazis entsprochen. Allerdings sollen ihre Haare kurz geschoren gewesen sein. Einer trug ein schwarzes Daunenblouson, ein anderer eine dunkelblaue Jacke, ein dritter eine helle Baseballmütze. Während der Autonomen-Demonstration waren in der Stadt keine bekannten Rechtextremisten gesichtet worden.

Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen unbekannt eingeleitet. Die Ermittler suchen noch nach Zeugen. Unter anderem wird der Fahrer eines älteren blauen VW Polo gesucht, der an den Angreifern und der verletzten Frau vorbeigefahren sein soll.

Von Heidi Niemann und Matthias Heinzel