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Panorama Mutter der verschleppten Kinder schildert ihre Tortur
Nachrichten Panorama Mutter der verschleppten Kinder schildert ihre Tortur
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17:34 15.09.2011
Eine Woche nach der Rückkehr schildert die Mutter unter Tränen ihr langes Warten. Quelle: Hagemann
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Hannover

Immer wieder ringt Katja Hüls um Fassung. Mit tränenerstickter Stimme und sichtlich mitgenommen schildert die 34-Jährige am Donnerstag in Hannover ihr Trauma der letzten Monate - und das Glücksgefühl, als sie ihre Kinder nach mehr als vier langen Monaten wieder in die Arme schließen kann. Vergangene Woche war es auf dem Frankfurter Flughafen endlich soweit. „Der erste Satz meiner Kinder lautete: „Mama, warum weinst Du?““, berichtet sie.

Ostermontag begann die Odyssee der Kinder - und das lange Warten für Katja Hüls. Der Vater, von dem sie getrennt ist und der auch kein Sorgerecht mehr für die Geschwister hat, verschleppte Jonas, Benjamin, Miriam und Lisa nach Nordafrika. Bis zum erlösenden Anruf auf ihrem Handy am Mittwoch vergangener Woche weiß Katja Hüls nichts über das Schicksal der Kleinen. Ohne Hilfe, sagt sie unter Tränen, hätte sie diese Zeit nicht durchgestanden.

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Noch einmal will die Frau aus Hermannsburg in der Lüneburger Heide am Donnerstag an die Öffentlichkeit treten. Sie will danken - der Familie, den Schwiegereltern, den Freunden, der Kirchengemeinde, den Botschaften und Politikern. Doch ihr 20-minütiger Auftritt ist auch ein vorläufiger Schlussstrich, um die Geschwister und sich selbst zu schützen. „Bitte geben Sie meinen Kindern und mir die Möglichkeit, so schnell wie möglich in unseren Alltag zurückzufinden, indem Sie unsere Privatsphäre respektieren“, sagt sie. Ihren Mann möchte sie im Moment nicht sehen. Über seine Motive kann sie nichts sagen: „Ich weiß nicht, warum er das gemacht hat.“

Der 37 Jahre alte Vater der Kinder hatte die Geschwister im Alter zwischen vier und neun Jahren am Ostermontag abgeholt. Statt der versprochenen Fahrradtour gab es aber eine Flugreise: Erst nach Ägypten, später in den Sudan, dann wieder zurück. Monate lang gab es Gerüchte über den Aufenthaltsort des Mannes und der Kinder. Schließlich wurde der Vater vergangene Woche in Kairo von Ermittlern gefasst und mit den Kindern nach Deutschland zurückgeflogen.

„Ich bin nicht in die Kinderzimmer gegangen"

Nun sitzt er wegen Kindesentziehung in Untersuchungshaft und hat bis zum Donnerstag nach Angaben der Staatsanwaltschaft keine Aussage über sein Motiv gemacht. „Er wollte sich mit seinem Anwalt beraten und dies dauert zur Zeit noch an“, sagt der Celler Oberstaatsanwalt Lars Janßen. Der Vater soll christlich fundamentalistisch orientiert sein.

Eigentlich hätten sich die Kinder gefreut, dass sie wieder einen Ausflug mit ihrem Vater machen konnten, sagt die 34-Jährige über den Ostermontag, der der „schrecklichste Tag“ ihres Lebens werden sollte.

Dann schildert sie ihren Schmerz. „Ich bin nicht in die Kinderzimmer gegangen und habe die Türen zugelassen. Die leeren Betten der Kinder mit ihren Lieblingsstofftieren, die sie nicht bei sich hatten, das Spielzeug, die Fußballfotos, die selbst gemalten Bilder, der Kickertisch, die Schulsachen, die Bücher - das zerriss mir das Herz.“

Nach der Rückkehr werden die Kleinen nun erst einmal psychologisch betreut. „Wir sind noch nicht in Hermannsburg. Ein Zeitpunkt steht noch nicht fest“, sagt Katja Hüls. Auch ein Zeitpunkt, ab wann die vier wieder mit ihren Freunden im Kindergarten oder in der Schule spielen können, ist noch unklar. Doch eines steht für die Mutter fest: „Sie sind froh, ihre Mama wieder zu haben.“

dpa

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