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Panorama Mutter erdrosselt: Sohn soll acht Jahre in Haft
Nachrichten Panorama Mutter erdrosselt: Sohn soll acht Jahre in Haft
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17:27 14.01.2011
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Vater und Sohn trennen in dem Saal im Potsdamer Landgericht etwa vier Meter voneinander: Dem Zuschauerraum krampfhaft den Rücken zugewandt, verfolgt der durchtrainierte 20-Jährige am Freitag mit gesenktem Kopf das Plädoyer des Staatsanwalts. Schräg hinter ihm sein Vater mit rotgeweinten Augen, ein gebrochener Mann. Am 6. April 2010 hat der Rathenower (Havelland) seine Frau verloren - und seinen Sohn. Dieser hat gestanden, seine Mutter niedergeschlagen und dann erdrosselt zu haben. Eine Tat, die an Tragödien der Antike erinnert, so Staatsanwalt Peter Petersen: „Das ist das Schlimmste, was man tun kann: Den zu töten, der einen geboren hat.“

Acht Jahre soll der junge Mann dafür ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft geht von Totschlag aus. Hintergrund soll ein heftiger Streit über seine Ausbildung gewesen sein. Immer wieder hatte der 20-Jährige seine Lehrstellen geschmissen. Ein ständiger Quell der Auseinandersetzung in dem Familienleben, das ansonsten als harmonisch und bürgerlich bezeichnet werden kann. Am Tattag hatte die Mutter entdeckt, dass ihrem Sohn gekündigt worden war - und machte ihm Vorhaltungen.

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„Da ist Ihnen der Faden gerissen“, sagte Petersen. Der 1,90 Meter große und etwa 90 Kilogramm schwere Angeklagte habe seine Mutter niedergeschlagen und erdrosselt. Die Verletzungen belegen die körperliche Überlegenheit: Augenhöhlenbruch, zehn gebrochene Rippen.

Wegen Defiziten in der Reifeentwicklung soll der Angeklagte - zur Tatzeit noch 19 Jahre alt - jedoch nach dem milderen Jugendstrafrecht verurteilt werden. Weiteren Anlass zur Milderung sieht Petersen nicht: Weder Alkohol noch die Einnahme von Steroiden liefern laut medizinischem Gutachter Gründe für eine eingeschränkte Schuldfähigkeit. Auch für eine Tat im Affekt gibt es laut Staatsanwalt keinen Grund.

Der Verteidiger geht dagegen davon aus, dass sich sein Mandat in einem „Affekt-Ausnahmezustand“ befand, als er seine Mutter tötete. Er forderte eine Jugendstrafe zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren. Der Jurist verwies dabei vor allem auf die Folgen der Familientragödie:

Die Tat bringe seinen Mandanten „seelisch an den Rand des Abgrundes“.Der Angeklagte gilt als psychisch labil und brach während des Prozesses immer wieder zusammen. Nach der Tat war er zunächst geflohen. Nach einigen Tagen wurde er auf einem Rastplatz an der A2 bei Brandenburg/Havel festgenommen. Verdächtigungen wies er zunächst zurück: Lügenmärchen über Verbindungen zur Organisierten Kriminalität sollten zum vermeintlichen Täter führen. Erst im November gestand der Angeklagte vor Gericht unter Tränen die Tat - nachdem ihn sein Vater angefleht hatte, die Wahrheit zu sagen.

Er hatte seine Frau damals tot in der Wohnung aufgefunden und trat im Prozess als Nebenkläger auf. „Für den Vater gibt es im Moment kein Leben mehr“, so dessen Anwältin Delphin Holzendorf. Sie verzichtete auf einen Strafantrag. „Mein Mandant und die Großeltern sind weiter die Familie“, sagte sie und verwies auf die Zukunft, die zu bewältigen ist. „Irgendwann wird es eine Entlassung aus der Haft geben.“ Das Gericht will sein Urteil am 20. Januar verkünden.

dpa