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Panorama Mutter steht wegen Tötung ihrer Säuglinge vor Gericht
Nachrichten Panorama Mutter steht wegen Tötung ihrer Säuglinge vor Gericht
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08:53 21.10.2011
Die "Babymörderin vom Waller See“ steht vor Gericht. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Braunschweig

Der gewaltsame Tod zweier Säuglinge wird von Montag an das Braunschweiger Landgericht beschäftigen. Angeklagt ist die Mutter der Mädchen. Die 36-Jährige soll ihre Töchter kurz nach der Geburt umgebracht haben. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Der erste Fall liegt lange zurück und hatte als „Babymord vom Waller See“ für Schlagzeilen gesorgt. Im Frühsommer 2005 fanden spielende Kinder an einem im Landkreis Gifhorn nahe zur Braunschweiger Stadtgrenze gelegenen Badeteich die in einem Plastiksack verscharrte Leiche eines der Neugeborenen. Die Todesursache war schnell ermittelt: Das Mädchen war durch ein Schnitt in die Kehle ums Leben gekommen.

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„Wir werden das Verbrechen aufklären“, hatte Jürgen Schmidt von der Kriminalpolizei Gifhorn damals nachdrücklich versichert. Dass bis zur Einlösung dieses Versprechens fast sechs Jahre ins Land ziehen, ahnte er nicht. Zwar arbeitete die Mordkommission mit Hochdruck an dem Fall. Zunächst verliefen jedoch alle Spuren im Sande. Hinweise lieferten nur ein paar in der Nähe des Leichenfundorts entdeckte Zigarettenstummel. Eine gentechnische Untersuchung bewies, dass sich die Mutter des Säuglings an dem Badesee aufgehalten hatte. Wer die Frau war, blieb unklar.

Auf neueste Technologien setzten die Ermittler auch weiterhin. Sie ließen eine sogenannte Isotopen-Analyse von Gewebespuren des toten Kindes vornehmen. Das Ergebnis: Die Mutter habe früher vermutlich in der russischen Provinz Karelien gelebt. Das brachte die Fahnder jedoch ebenso wenig weiter wie ein Beitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“.

„Ich bin die Mörderin vom Waller See

Erst ein anderer Fall führte schließlich vor wenigen Monaten zur Lösung. In einem gestohlenen und in Braunschweig aufgefundenen Transporter lagen Zigarettenkippen. Sie wiesen die DNA-Spuren der gesuchten Mutter auf. Es stellte sich heraus, dass die 36-Jährige in dem Betrieb, dem das Fahrzeug, gehörte, gejobbt hatte. Zunächst blieb die Suche nach der Frau erfolglos. Dann stellte sie sich mit den Worten „Ich bin die Mörderin vom Waller See“ auf einer Polizeiwache.

„Mütter, die so vorgehen, handeln oft noch ein zweites oder drittes Mal ähnlich“, hatte Kripochef Schmidt schon nach dem Fund des ersten Kindes erklärt. Die Befürchtung sollte ich bewahrheiten. Nach ihrer Festnahme führte die 36-Jährige die Polizei zu einem Abfallcontainer in Braunschweig. Dort hatte die Frau die Leiche eines wenige Tage zuvor geborenen Kindes versteckt. Es war angeblich während der Geburt in der Badewanne ertrunken. Den Aussagen der Frau zufolge stammen beide Säuglinge aus Beziehungen zu verheirateten Männern, die nichts von den Schwangerschaften wussten.

Für den am Montag beginnenden Prozess hat das Gericht sechs Verhandlungstage anberaumt. Neben Zeugen und zwei medizinischen Gutachtern ist auch ein psychiatrischer Sachverständiger geladen. Ihn wollen die Richter zur Schuldfähigkeit der Angeklagten befragen.

dpa

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