Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Nach Messerangriff: Ermittler prüfen fremdenfeindlichen Hintergrund
Nachrichten Panorama Nach Messerangriff: Ermittler prüfen fremdenfeindlichen Hintergrund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:57 02.07.2009
Bei einer Messerattacke im Landgericht Dresden ist am Mittwoch eine 32-jährige Frau getötet worden. Quelle: Norbert Millauer/ddp
Anzeige

Die Staatsanwaltschaft wollte sich erst am Nachmittag zu Details der Tat äußern, die inzwischen eine Debatte um die Sicherheitsstandards in Gerichtsgebäuden entfacht hat.

Am Mittwoch war eine 32-jährige Zeugin bei laufender Gerichtsverhandlung von dem 28-jährigen Angeklagten erstochen worden. Die aus Ägypten stammende Frau sagte offenbar gerade gegen den Russland-Deutschen aus. Hintergrund des Berufungsprozesses war ein Streit zwischen beiden im Sommer 2008 auf einem Spielplatz in Dresden.

Anzeige

Dort soll der Mann, der damals mit dem Kind seiner Schwester unterwegs war, auf einer Schaukel gesessen haben. Nachdem die Frau ihn um Freigabe der Schaukel gebeten habe, sei sie von ihm als „Terroristin“, „Islamistin“ und „Schlampe“ beschimpft worden. Deshalb war er im November vom Amtsgericht Dresden zu einer Geldstrafe wegen Beleidigung in Höhe von 780 Euro verurteilt worden.

Oberstaatsanwalt Christian Avenarius wollte Berichte nicht kommentieren, wonach ein Polizist irrtümlich auf den Ehemann der Zeugin geschossen hat und auch der dreijährige Sohn des Paares die Bluttat im Gerichtssaal mit ansehen musste. Auch über die Anzahl der Verletzen äußerte er sich nicht.

Am Eingang des Landgerichts Dresden wurden am Donnerstag alle Besucher von Sicherheitskräften mit Metalldetektoren überprüft - nach Angaben einer Gerichtssprecherin „zur Abschreckung von potenziellen Nachahmungstätern“. Ob diese für Dresdner Gerichte unübliche Sicherheitsmaßnahme beibehalten wird, blieb offen.

Der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Christoph Frank, forderte eine Überprüfung der Sicherheitsstandards. Jedes einzelne Gerichtsgebäude müsse daraufhin geprüft werden, wie die baulichen Gegebenheiten seien, um anschließend möglicherweise Maßnahmen zum besseren Schutz der Bürger zu treffen. Es sei jedoch nicht möglich, überall Kontrollen wie auf Flughäfen einzuführen. Frank verwies darauf, dass es allein rund 600 Amtsgerichte in Deutschland gebe.

Der Chef des Bundesverbandes ehrenamtlicher Richter, Hasso Lieber, wandte sich dagegen, die Gerichte nun „flächendeckend aufrüsten“ zu wollen. Deren Präsidenten sollten von Fall zu Fall entscheiden und „nicht aus jedem Gericht eine Festung machen“. Auch Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) warnte vor vorschnellen Konsequenzen.

ddp