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Panorama Narren in Niedersachsen feiern bei Eis und Schnee
Nachrichten Panorama Narren in Niedersachsen feiern bei Eis und Schnee
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17:59 14.02.2010
Unter dem Motto „Wie VW von Porsche gefressen wird“ fährt am Sonntag ein Motivwagen während des Umzugs durch die Innenstadt von Braunschweig. Quelle: lni
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100.000 Schaulustige beim Karneval in Braunschweig. An der Spitze des Zuges winkte Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) im Clownskostüm mit knallroter Afrolook-Perücke von einem riesigen Oldtimerwagen und warf den Jecken Waffeln zu. Die Narren in Osnabrück, Ganderkesee und Hannover hatten sich schon am Samstag auf ihren Umzügen vergnügt.

„Es ist perfektes Wetter - kalt und schön“, sagte der Braunschweiger Zugmarschall Hans-Peter Richter. Die Schneewolken hatten sich verzogen, die Jecken starteten bei Sonnenschein zum 32. Umzug - pünktlich um 12.40 Uhr. Zuvor verkündete Richter noch eine gute Nachricht: „Seit gestern haben wir die Bestätigung, dass Braunschweig der drittgrößte Umzug Deutschlands ist. Nur in Mainz und Köln sind die Umzüge noch länger.“ Die Stadt Braunschweig hatte alle Anstrengungen unternommen, Umzugsstrecke und Fußwege von Eis und Schnee zu befreien. Viele Kamelle landeten jedoch in den Pfützen und im Schneematsch.

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Zu dem etwa sechs Kilometer langen „Schoduvel“ gehörte auch die Gruppe „Maske de Venezia“, die mit aufwendigen Kostümen sowie langem Federschmuck auffiel. „Wir tragen Skiunterwäsche und dicke Jacken unter unseren Kleidern“, erklärten die Damen. Außerdem schützten sie sich mit Motorrad-Sturmhauben unter den Masken gegen die Kälte. Passender angezogen war da Uwe Schäfer, der als Ski-Langläufer mitmarschierte. Seine Skier trug er allerdings in der Hand.

Auch der Skandal um das Atomlager Asse war Thema im Braunschweiger Umzug. Ein Motivwagen zeigte die Asse als Geisterschiff mit Skeletten an Bord, mit Knochenmännern und Fraunen als Besatzung.

Viele Gruppen hat sich der bitteren Kälte entsprechend kostümiert: Das „Musikkorps Herold Osnabrück“ war in dicken Fellen mit Stulpen als Urmenschen unterwegs. Andere hatten sich als Bären verkleidet. Auch die Zuschauer waren gegen die Minusgrade gewappnet: Sie hatten Rucksäcke und Bollerwagen mit Glühwein und Hochprozentigem dabei und riefen laut „Brunswiek Helau“. Außerdem hielt sie das ständige Bücken in Bewegung, denn von den Wagen prasselten Schokotafeln, Waffeln und 15 Tonnen Bolchen - wie die Bonbons in Braunschweig genannt werden, hinunter. 221 Gruppen, Wagen und Musikkapellen mit mehr als 4400 Teilnehmern gehörten dem närrischen Lindwurm an.

Mit Mischlingshund „Rupit“ auf dem Arm beobachtete Sina Voigt das Treiben mitten in der Altstadt. „Das ist toll gemacht“, sagte die junge Frau. Auf Wunsch seiner beiden Kinder war Maik Herberg zum Umzug gekommen und ließ sich von der guten Laune der Narren anstecken. „Nächstes Jahr kommen wir wieder“, kündigte er an.

Bei Schneetreiben waren die Narren in Hannover bereits am Samstag durch die Innenstadt gezogen. Rund 50.000 Schaulustige hatten sich am Straßenrand versammelt. In den drei Kilometer langen Zug reihten sich etwa 100 Gruppen mit 3000 Teilnehmern sowie 20 Musikkapellen ein.

Auch in Osnabrück waren am Samstag etwa 50.000 Jecken auf den Straßen der Innenstadt unterwegs. In Ganderkesee bei Oldenburg hatte der Faschingsumzug rund 30 000 Menschen angelockt. Das närrische Treiben dort wurde allerdings von einem Unfall überschattet: Vier Menschen, darunter ein 11 Jahre alter Junge, mussten mit Brandverletzungen in Krankenhäuser gebracht werden. Das Kostüm des Jungen hatte an einem Heizstrahler Feuer gefangen.

Schwerverletzte beim Umzug in Ganderkesee
Ein tragisches Unglück hat den Faschingsumzug in Ganderkesee bei Oldenburg überschattet: Wie ein Polizeisprecher am Sonntag berichtete, wurden bei einem Brand auf einem der Umzugswagen ein 11 Jahre alter Junge und ein 32 Jahre alter Mann schwer verletzt. Sie schwebten allerdings nicht in Lebensgefahr. Der Junge hatte Stroh an seinem Kostüm und stand zu dicht an einem mit Gas betriebenen Heizstrahler. Das Kostüm fing darufhin Feuer. Insgesamt vier Personen wurden mit Verletzungen in Krankenhäuser nach Bremen, Oldenburg und Delmenhorst gebracht. Der Karnevalsumzug am Samstag hatte rund 30.000 Zuschauer.

lni