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Panorama Neue Gewalt an U-Bahnhöfen heizt Diskussion an
Nachrichten Panorama Neue Gewalt an U-Bahnhöfen heizt Diskussion an
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16:27 08.05.2011
Quelle: Tim Schaarschmidt (Symbolbild)
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Die Serie von Überfällen an Berliner U-Bahnhöfen reißt nicht ab. Am Wochenende gab es gleich mehrere neue Gewalttaten. In der seit Wochen geführten Sicherheitsdebatte gehen die Meinungen auseinander. Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, äußerte sich beschwichtigend. Die Wahrscheinlichkeit, in einem öffentlichen Verkehrsmittel Opfer einer Gewalttat zu werden, liege „bei gerade einmal 0,003 Prozent“, erklärte Nikutta.

Den Opfern der brutalen Überfälle helfe dies wenig, entgegnete CDU-Landeschef Frank Henkel am Sonntag. „Die Gewalt muss bekämpft werden, nicht die Statistik“, sagte der CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl der Nachrichtenagentur dpa.

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Mehrere Männer attackierten und verletzten am Sonntag einen 22-Jährigen in der Linie 7 am U-Bahnhof Blissestraße während der Fahrt mit einer Flasche. Auf dem U-Bahnhof Zoo wurden am Samstag drei jeweils 25-Jährige von mehreren Männern nach dem Aussteigen aus einem Zug attackiert. Die Täter schlugen mit Fäusten auf ihre Opfer ein. Ein Mann erlitt einen Nasenbeinbruch. Zwei weitere Übergriffe mit Verletzten ereigneten sich an den Stationen Hallesches Tor und an der Jannowitzbrücke. Dort verprügelten zwei Unbekannte einen 28-Jährigen. In Wedding wurde ein 24-Jähriger in einer Straßenbahn Opfer eines Raubüberfalls. Jugendliche forderten von ihm am helllichten Tag mit vorgehaltenem Messer Handy und Portemonnaie.

Laut Henkel sin die bekanntgewordenen Übergriffe nur die „Spitze des Eisbergs“. Dem rot-roten Senat warf Henkel Versagen vor. Für einen Wahlerfolg im September hat er bereits angekündigt, für mehr Personal bei der Polizei zu sorgen. „Die Gewalt darf nicht den Alltag der Menschen dominieren“, betonte der CDU-Politiker.

Nach der Berliner Kriminalstatistik ging die Zahl der Straftaten im öffentlichen Nahverkehr in den vergangenen Jahren zurück. Jeder einzelne Fall sei zweifellos „dramatisch“, sagte BVG-Chefin Nikutta der „Berliner Morgenpost“ (Sonntag). Auf offener Straße würden aber ebenfalls Menschen zusammengeschlagen. Darüber werde jedoch kaum berichtet, weil die Taten nicht mit Videobildern in den Medien gezeigt werden könnten. Neuerdings gehen BVG-Mitarbeiter wieder gemeinsam mit Polizisten auf Streife, um weitere Gewalttaten im Nahverkehr zu vermeiden.

Nach einem Bericht des „Berliner Kurier“ (Samstag) ist der Berliner U-Bahnhof mit den meisten Kriminaldelikten die Station Alexanderplatz. 362 Einsätze gab es dort im vergangenen Jahr - darunter 79 Mal wegen Körperverletzungen. Danach rangiert auf der Liste der Brennpunktbahnhöfe das Kottbusser Tor mit 321 registrierten Taten auf Platz zwei, der U-Bahnhof Zoologischer Garten mit 320 Fällen knapp dahinter.

Ein Polizeisprecher sagte, bei dieser Statistik handele es sich lediglich um ein Arbeitspapier mit „statistischen Ungenauigkeiten“. Er verwies auf die offizielle Kriminalstatistik der Polizei.

dpa