Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Neun Tote nach Überschwemmungen in Polen
Nachrichten Panorama Neun Tote nach Überschwemmungen in Polen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 21.05.2010
Mindestens neun Menschen sind nach Überschwemmungen in Polen ums Leben gekommen. Quelle: dpa
Anzeige

In Brandenburg stieg das Hochwasser der Oder weiter an, für das Pfingstwochenende gaben die Behörden aber Entwarnung.

Ein Sprecher der polnischen Feuerwehr sagte der Nachrichtenagentur AFP, das letzte Todesopfer sei ein 70 Jahre alter Mann, der in seinem Haus im südöstlichen Tarnobrzeg ertrunken sei. Drei Menschen würden noch vermisst.

Anzeige

In Warschau wurde erwartet, dass der Wasserstand der Weichsel noch am Freitag um weitere 40 Zentimeter steigen würde. Das wäre der höchste Pegel seit 60 Jahren. Die Behörden riefen die Anwohner der Ufer zur Vorsicht auf. Problematisch sei weniger der Wasserpegel als die Dauer der Hochwasserwelle, sagte Regionalgouverneur Jacek Kozlowski. „Wenn sie zwei oder drei Tage braucht, um durch die Stadt zu rollen, dann könnten die durchgeweichten Deiche an verschiedenen Stellen brechen“, warnte er.

Im Parlament legte Regierungschef Donald Tusk einen Bericht zu den Schäden der Überschwemmungen vor. Das „Drama“ sei „beispiellos“ in den letzten 160 Jahren der polnischen Geschichte, sagte Tusk. „Wir sprechen von Schäden in Höhe von zehn Milliarden Zloty (rund 2,43 Milliarden Euro).“

In den Überschwemmungsgebieten im Südosten Polens hatten tausende Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen. Auch wenn die Hochwasserwelle inzwischen weiterzog, standen dort am Freitag Häuser und Straßen weiter unter Wasser.

Im brandenburgischen Ratzdorf, wo die Oder Deutschland erreicht, stieg der Pegel seit dem Vortag um weitere zehn Zentimeter, wie ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums am Freitag in Frankfurt (Oder) sagte. Der Pegelstand befinde sich indes noch immer 39 Zentimeter unterhalb des Richtwerts für die erste von insgesamt vier Alarmstufen.
Nach Angaben des Brandenburger Landesumweltamts wurden kaum noch Niederschläge im Quellgebiet der Oder erwartet. Am polnischen Oberlauf des Flusses wurden demnach mittlerweile stagnierende oder leicht sinkende Pegelstände gemessen, weil sich der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle weiter flussabwärts bewegt.

Die in Deutschland zunächst für das Pfingstwochenende prognostizierten Höchststände werden nach Angaben des Landesumweltamts geringer ausfallen und drei Tage später als ursprünglich erwartet eintreffen. Auf polnischer Seite waren dafür vorgesehene Überschwemmungsgebiete, sogenannte Polder, gezielt geflutet worden, zudem trat Wasser in flussnahen Gebieten nahe der polnischen Stadt Opole (Oppeln) über die Ufer. Ferner erwogen polnische Katastrophenschützer den Angaben zufolge die Öffnung von Flutungspoldern vor Breslau.

Der ursprünglich für Montag in Ratzdorf erwartete Scheitelpunkt soll nun am Mittwoch oder Donnerstag Deutschland erreichen. Am Pfingstwochenende wird wegen steigender Pegel nur mit der Ausrufung der ersten Alarmstufe gerechnet.

afp