Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama New York Fashion Week beginnt mit einem Außenseiter
Nachrichten Panorama New York Fashion Week beginnt mit einem Außenseiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:26 11.02.2011
Glanz und Glamour auf der New York Fashion Week.
Glanz und Glamour auf der New York Fashion Week. Quelle: dpa
Anzeige

Mit Glanz und Glamour ist die New Yorker Fashion Week gestartet. Designer wie Calvin Klein, Narciso Rodriguez oder Jen Kao stellen die Trends der kommenden Herbst/Winter-Saison vor.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgt diesmal aber ein Jungdesigner, der gänzlich aus der Art schlägt: Nary Manivong, ein Junge mit melancholischen Augen und Kapuzenjacke, fällt nicht mit ausgefallenen Kreationen auf. Anders als der Grenzgänger Hussein Chalayan verformt er keine menschlichen Silhouetten zu phantasievollen Gebilden. Auch ist er weit davon entfernt, als Enfant terrible die Modewelt aufzumischen. Der 28-Jährige fügt stattdessen dem amerikanischen Traum eine neue Wendung hinzu: Statt vom Tellerwäscher zum Millionär schaffte es der Sohn armer Einwanderer aus dem südostasiatischen Laos aus der Gosse auf den Laufsteg.

Als er 14 war, haben die Eltern ihn und seine drei Geschwister verlassen. Da die Kinder die Miete in dem Apartment in Columbus, Ohio, nicht zahlen konnten, landeten sie auf der Straße. Eine Zeitlang übernachtete Nary Manivong in einem Donuts-Gechäft, das 24 Stunden geöffnet hatte. Er schaffte dennoch den Highschool-Abschluss. Mit nur 200 Dollar in der Tasche und dem Traum, Modedesigner zu werden, ging er vor elf Jahren nach New York. Er lebte von der Fürsorglichkeit von Freunden. 2005 zeigte er seine erste Kollektion auf der New Yorker Fashion Week. „Ein paar zusammengeschusterte Fetzen“, wie er heute mit Understatement sagt.

Details seines harten Kampfes nach oben liefert ein gerade herausgekommener Dokumentarfilm mit dem Titel „Dressed“. Der Filmemacher David John Swajeski begleitete den Jungdesigner bei seinem oft mühsamen Job, zeigt auch Rückschläge und Selbstzweifel.
Gerade wegen seiner problembelasteten Vergangenheit war der junge Laote der ideale Kandidat für den Film, der desillusionierende Seiten eines Business herausstreicht, das gemeinhin mit Luxus pur gleichgesetzt wird.

Dass das Scheinwerferlicht jetzt ausgerechnet auf einen wie Nary Manivong fällt, verrät aber auch etwas über die aktuelle Befindlichkeit.
Die amerikanische Modebranche ist durch Globalisierung und Verlagerung von Produktionsschwerpunkten in einer schwierigen Umbruchsphase. Im New Yorker Garment District kämpfen Designer und Stoffläden um ihre Zukunft. Entwürfe werden per PDF nach Asien geschickt und Stoffe im Internet geordert.

Da kommt die Mut machende Geschichte eines jungen Mannes, der sich gegen alle Widrigkeiten durchbeißt, gerade recht. Manivong ist so etwas wie der Oliver Twist des Garment District. Heute stellt der Jungdesigner in New York seine gemeinsam mit Ally Hilfiger, der Tochter des Designers Tommy Hilfiger, entworfene Kollektion vor.

Das Label „Nahm by Ally Hilfinger und Nary Manivong“ zeichnet sich durch eine feminine Linie aus. Es dominieren weiche Hemdkleider aus Seide und Wolle, schlicht gegürtet, zum Teil asymmetrisch geschnitten. Nichts Spektakuläres, aber die Geschichte dahinter ist anrührend.

Johanna di Blasi