Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Opfer-Anwalt ist gegen pauschale Entschädigung
Nachrichten Panorama Opfer-Anwalt ist gegen pauschale Entschädigung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:42 08.02.2012
Nach dem Schiffsunglück der „Costa Concordia“ geht es jetzt um die Entschädigung der Opfer. Quelle: dpa
Anzeige
Konstanz

11.000 Euro pauschale Entschädigung sollen Passagiere des havarierten KreuzfahrtschiffesCosta Concordia“ bekommen. Rechtsanwalt Andreas Widmann, der sechs Urlauber aus Deutschland, vertritt, hält dies nicht in jedem Fall für angemessen. „Wir müssen jeden Fall individuell betrachten“, sagte Widmann der Nachrichtenagentur dpa in Konstanz. Manche Opfer hätten bei dem Unfall unter Todesangst gelitten, andere seien entspannter mit der Situation umgegangen.

Die angebotene Entschädigung sei angemessen für Passagiere, die keine bleibenden körperlichen oder seelischen Schäden durch das Unglück davontragen, sagte der Anwalt aus Singen in Baden-Württemberg. Anders liege der Fall beispielsweise bei einer schwangeren Mandantin: „Die Frau hatte nicht nur Angst um ihr eigenes Leben, sondern auch davor, dass dem Ungeborenen etwas passiert. Da würde ich jetzt nicht ohne weiteres sagen, nehmen Sie die 11.000 Euro.“

Anzeige

Im Einzelfall könnten 15.000 Euro Schmerzensgeld zusammenkommen – zusätzlich zum entstandenen materiellen Schaden, betonte Widmann: „Es gibt Leute, die haben ihre beste Kleidung mitgenommen.“ Das Ziel sei zunächst eine außergerichtliche Einigung, eine Klage sieht Widmann nur als letzte Möglichkeit. Eine Sammelklage, wie sie derzeit unter anderem von einer italienischen Verbraucherorganisation in den USA angestrebt wird, sei nach deutschem Recht nicht möglich.

Widmann würde seine Mandanten in einer Streitgenossenschaft vertreten – das heißt, in einem Verfahren mit einem Aktenzeichen, in dem aber jeder Mandant seine Ansprüche einzeln geltend macht. Rund 14 weitere Überlebende des Schiffunglücks hätten sich bei ihm gemeldet, wollten aber mit rechtlichen Schritten noch warten.

Kritik äußerte Widmann an der Kommunikation mit der Reederei Costa Crociere. Zwar habe das Unternehmen in einem ersten Schreiben die Haftung anerkannt und sei auf die Passagiere zugegangen. Auch eine Hotline sei eingerichtet worden. „Jetzt sagen sie aber nichts mehr, es geht alles über Italien. Das finde ich nicht mehr so top professionell.“

dpa

Mehr zum Thema

Der größte europäische Reiseveranstalter TUI Travel hat am Dienstag die Zahlen für das ersten Geschäftsquartal bekannt gegeben. Von Oktober bis Dezember 2011 konnte das Unternehmen seinen Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht verringern. Vor allem Online-Buchungen legten insgesamt deutlich zu. Insgesamt ist das Ergebnis durchwachsen.

07.02.2012

Weil sie eine Fehlgeburt nach dem Unglück der „Costa-Concordia“ erlitt, verlangt eine Italienerin eine Million Euro Schadensersatz von der Reederei. Derweil bereitet die Bergungsfirma das Abpumpen des Öls vom Wrack vor.

05.02.2012

Die französische Staatsanwaltschaft hat eigene Ermittlungen zum Kentern des italienischen Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" eingeleitet.

02.02.2012