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Panorama Opfer von Ernst August widerspricht Vorwurf der Inszenierung
Nachrichten Panorama Opfer von Ernst August widerspricht Vorwurf der Inszenierung
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23:34 17.06.2009
Von Wiebke Ramm
Die Nerven liegen blank am dritten Tag des neu aufgerollten Prozesses gegen Ernst August Prinz von Hannover.
Die Nerven liegen blank am dritten Tag des neu aufgerollten Prozesses gegen Ernst August Prinz von Hannover. Quelle: Jochen Lübke/lni
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Nebenklage und Verteidigung haben am Mittwoch um die Glaubwürdigkeit von Zeugen gerungen. Hotelier Brunlehner bezweifelte vor dem Landgericht Hildesheim die Angabe von Prinzessin Caroline von Hannover, sie habe die Tat in der Nacht des 14. Januar 2000 am Strand der kenianischen Insel Lamu von der Hotelterrasse aus beobachten können. Das sei aufgrund der Lichtverhältnisse gar nicht möglich gewesen. Der Verteidiger Hans Wolfgang Euler hakte nach: Wolle er damit sagen, alle Zeugen, also auch die Prinzessin, hätten gelogen? „Von der Terrasse konnte man nichts sehen, dabei bleibe ich“, antwortete dieser.

Die Verteidigung bemühte sich über Stunden, den Zeugen, der zugleich als Nebenkläger auftritt, in Widersprüche zu verstricken. Der 61-Jährige brach mehrfach in Tränen aus. Er habe nach der Attacke des Prinzen „jahrelang unter Horrorvorstellungen“ gelitten, sagte er. Durch die Befragung komme „die Sache nun wieder hoch“. „Ich habe keine Geheimnisse“, sagte er. Nach seiner Darstellung hat der Prinz ihn damals brutal zusammengeschlagen. Ernst August hingegen bekennt sich zu zwei Ohrfeigen.

Nach Angaben der Verteidigung hat Brunlehners damaliger Hotelmanager den 61-Jährigen am Morgen nach der Tat gesehen, wie er dennoch eigenständig laufen konnte und völlig gesund erschien. „Ich habe mich zusammengerissen“, erwiderte Brunlehner gestern. Am Flughafen, von wo aus er ins Krankenhaus nach Mombasa geflogen ist, sei er schließlich zusammengebrochen, berichtete er. Euler widersprach: „Ihnen fehlte nichts!“

Auf Antrag der Prinzen-Anwälte wurde vor Gericht ein alter ZDF-Bericht vorgespielt, in dem Brunlehner im Krankenhaus mit Sauerstoffmaske zu sehen ist. Von künstlicher Beatmung ist die Rede. Verteidiger Euler betonte, dass Brunlehner nach Auskunft des kenianischen Krankenhauses nie künstlich beatmet worden sei. Brunlehner blieb dabei, dass es doch so war. Der Sachverständige, der hannoversche Rechtsmediziner Hans-Dieter Tröger, warf ein, dass Mediziner und Laien mit Beatmung Unterschiedliches meinen könnten. Euler fuhr fort, zwei Bekannte des Opfers hätten zugegeben, dass sie sich zu dritt abgesprochen hätten, in der Klinik für die Presse ein künstliches Koma zu inszenieren. Dafür sei eigens eine Sauerstoffmaske gekauft worden. Brunlehner: „Wenn die beiden etwas gemacht haben, kann ich nichts zu sagen.“

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