Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Ostdeutsche fallen häufiger durch Führerscheinprüfung
Nachrichten Panorama Ostdeutsche fallen häufiger durch Führerscheinprüfung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:50 13.07.2009
Quelle: Jochen Luebke/ ddp
Anzeige

Laut einer Studie des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg macht vor allem die Theorieprüfung den jungen Frauen und Männern zwischen Rügen und Vogtland zu schaffen. In Sachsen-Anhalt etwa fielen im vergangenen Jahr 44,4 Prozent der Fahrschüler im ersten Anlauf durch; in den anderen ostdeutschen Ländern sieht es nicht viel besser aus. Der Bundesschnitt liegt bei 30,4 Prozent. Spitzenreiter sind Hessen und Niedersachsen, wo nur rund ein Viertel die Theorieprüfung nicht auf Anhieb besteht.

Bei der praktischen Prüfung indes schnitten die jungen Frauen und Männer in Hamburg am schlechtesten ab. In der Hansestadt schafften 41 Prozent die Prüfung nicht beim ersten Mal. In den ostdeutschen Ländern lag die Quote zwischen 30 und 36 Prozent, in den übrigen Westländern aber zumeist unter 30 Prozent.

Die Zahlen stellen den Vorsitzenden des Fahrlehrerverbandes Sachsen-Anhalt, Wolfgang Prescher, vor ein Rätsel. „Wir wissen nicht, woran das liegt“, sagte Prescher am Montag. An den Fahrlehrern und der Ausbildung könne es nicht liegen, beides sei bundeseinheitlich geregelt. Möglicherweise liege es an den geringen Gebühren für die theoretische Prüfung. Bei rund 20 Euro pro Prüfung sei die Versuchung möglicherweise hoch, es auch bei mangelnder Vorbereitung einfach drauf ankommen zu lassen. „Aber diese Einstellung ist natürlich nicht in Ordnung“, sagte Prescher. Es sollte für jeden Ziel sein, die Prüfung im ersten Anlauf zu schaffen.

Die Voraussetzungen seien durch die neuen Computersysteme bei Ausbildung und Prüfung optimal, Flüchtigkeitsfehler beispielsweise kämen kaum noch vor, sagte der Fahrlehrer. Es gebe zwar mehrere hundert Fragen, viele davon ähnelten sich aber. Indirekt vermutet Prescher einen sehr einfachen Grund. „Die Theorieprüfung ist eine Fleißsache, da muss man gar nicht diskutieren.“

Diese Auffassung teilt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) nicht. „Schauen wir auf die PISA-Ergebnisse, dann wird klar, dass die jungen Menschen im Osten weder dümmer noch weniger fleißig sind“, sagte Sprecherin Almut Gaude. Bei den Schultests hätten die Menschen in den neuen Ländern gut bis sehr gut abgeschnitten, vor allem Sachsen stehe sehr gut da. Warum viele gerade beim Führerschein versagten, wisse sie auch nicht. Vielleicht liege es an den Fahrschulen, die ihre Schüler nicht ausreichend vorbereiteten.

Der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Gerhard von Bressendorf, räumte ebenfalls ein, es gebe keine schlüssige Erklärung für das schlechte Abschneiden der ostdeutschen Fahrschüler. „Fahrschüler im Westen sind nicht schlauer und die im Osten nicht dümmer“, sagte er. Es sei wohl eher eine Frage der Motivation. Bei den praktischen Prüfungen spielten sicherlich die vielen Baustellen auf ostdeutschen Straßen eine Rolle, sagte Bressendorf.

Auch beim ADAC in München runzelt man die Stirn. Es gebe sicherlich zahlreiche Vermutungen, sagte Sprecher Maximilian Maurer. Vielleicht sei die Fahrausbildung unterschiedlich, vielleicht die Pädagogik. „Das ist alles Kaffeesatzleserei“, räumte er ein. An der Lernfähigkeit der jungen Menschen im Osten könne es wohl nicht liegen.

ddp

13.07.2009
12.07.2009