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Panorama Pädophiler Ex-MHH-Kinderarzt muss fast 13 Jahre ins Gefängnis
Nachrichten Panorama Pädophiler Ex-MHH-Kinderarzt muss fast 13 Jahre ins Gefängnis
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14:10 29.01.2019
Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Mediziner vor Gericht.
Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Mediziner vor Gericht. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Augsburg

Wegen des Missbrauchs von rund 20 Jungen ist der frühere MHH-Kinderarzt Harry S. am Dienstag in Augsburg zu einer Haftstrafe von 12 Jahren und neun Monaten verurteilt worden.  Die schwerwiegendste Tat beging der Mann im August 2014 in Garbsen bei Hannover. Dort entführte der Arzt einen Fünfjährigen in seine Wohnung in Hannover, wo er damals an der Medizinischen Hochschule arbeitete. Der Mann narkotisierte das Kind, verging sich an ihm und setzte das benommene Opfer dann wieder aus.

An der Liebermannstraße in Garbsen hatte der Täter einen Fünfjährigen in sein Auto gelockt, missbraucht und den Jungen später in Hannover wieder abgesetzt. Quelle: Elsner

Sicherungsverwahrung nach Ende der Haft

Das Augsburger Landgericht ordnete außerdem an, dass der 44 Jahre alte Mediziner anschließend in Sicherungsverwahrung muss. Zudem bekam der Mann ein lebenslanges Berufsverbot als Arzt. Der Kinderarzt hatte alle Vorwürfe zugegeben. Der Mann hatte immer wieder in Augsburg und München Kinder auf der Straße oder dem Spielplatz angesprochen, ihnen Spielzeug versprochen und sie dann in nahen Gebäuden missbraucht.

Bundesgerichtshof kippte erstes Urteil

2016 war S. zu dreizehneinhalb Jahren Haft mit folgender Sicherungsverwahrung sowie lebenslangem Berufsverbot verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof kippte das Urteil teilweise, weil aus Sicht der Bundesrichter nicht ausreichend geprüft wurde, ob Harry S. bei den Taten - wie im ersten Urteil angenommen - wirklich voll schuldfähig war. In der Neuauflage des Prozesses vor dem Landgericht Augsburg bewerteten vier Gutachter das Verhalten des Angeklagten - zwei waren von der Justiz beauftragt, zwei weitere von den Verteidigern des Angeklagten. Alle Gutachter kamen zum Ergebnis, dass Harry S. voll schuldfähig war. Er habe sein Berufsleben bis zuletzt im Griff gehabt und habe sich noch soweit kontrollieren können, dass er während der Arbeit keine jungen Patienten missbrauchte, sagte Staatsanwältin Tanja Horvath. Sie forderte, dass gegen den Angeklagten zusätzlich zur Haft die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung angeordnet wird. Er sei "eine Gefahr für die Allgemeinheit". Sie sprach sich auch für ein lebenslanges Berufsverbot als Arzt aus. Diesen Anträgen folgten nun die Richter aus Augsburg.

Kinderarzt Harry S. sitzt neben seinem Anwalt Ralf Schönauer (l.) im Gerichtssaal in Augsburg. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das ist Harry S.

Der heute 43-jährige Harry S. soll sich zwischen 2007 und 2014 an mehr als 20 Jungen im Alter zwischen fünf und acht Jahren vergangen haben. Die Taten soll er in Augsburg, München, Nürnberg und Hannover verübt haben –überall dort, wo der berufliche Werdegang den Arzt hinführte. S. studierte an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Anschließend wechselte er unter anderem an die Kinderklinik des Klinikums Augsburg, an das Deutsche Herzzentrum nach München und an die Kinderklinik der MHH in Hannover. Von seinen Opfern machte S. Fotos. Bei der Durchsuchung seiner Zweitwohnung in der Lister Straße stellten die Ermittler kinderpornografisches Material auf dem Rechner des Mediziners sicher. Einen fünfjährigen Jungen aus Garbsen betäubte S. mit einem Medikament, um ihn verschleppen zu können. Diese Methode soll er in weiteren Fällen angewandt haben. S. war in seiner Augsburger Zeit Vorstandsmitglied beim Deutschen Roten Kreuz. Für die Hilfsorganisation organisierte er Kinderausflüge mit Übernachtungen. Auch dabei sollen Übergriffe auf Jungen erfolgt sein.

Von RND/dpa