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Panorama Papst auf Zypern: Beten und arbeiten für Nahost-Frieden
Nachrichten Panorama Papst auf Zypern: Beten und arbeiten für Nahost-Frieden
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21:28 05.06.2010
Für den Frieden in Nahost: Papst Benedikt XVI. Quelle: dpa
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Papst Benedikt XVI. sagte bei seinem Besuch in Zypern: „Niemand kann übersehen, dass es notwendig ist, die Christen in der von Problemen geplagten Region zu unterstützten.“ Auf das erneute israelische Vorgehen gegen ein Hilfsschiff für den Gazastreifen ging er nicht ein. Die schwierige Lage der schrumpfenden christlichen Gemeinden im Nahen Osten wird Thema einer Sondersynode im Herbst im Vatikan sein.

Auch in einer Messe am Abend in der Heiligkreuzkirche in Nikosia kam Benedikt auf die schwierige Lage vieler Kirchenleute in weiten Teilen des Heiligen Landes zurück. „Als Folge der Konflikte und der Spannungen in der Region entschließen sich viele Familien, von dort wegzuziehen, und ihre Priester können versucht sein, es auch so zu machen“, beklagte er. Die Kirche stelle ihre nicht nachlassende Verpflichtung zu Dialog und Versöhnung dagegen.
Beim Besuch einer maronitisch-katholischen Grundschule in Nikosia wies der Papst die kleine Christengemeinde der überwiegend orthodoxen Insel auf die weiterhin hohen Hürden im Dialog der Religionen hin. „Nur durch geduldige Arbeit kann gegenseitiges Vertrauen aufgebaut und die Bürde der Vergangenheit abgeworfen werden.“ Christen und Andersgläubige sollten so Frieden und Harmonie aufbauen helfen.

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Über den vorbereiteten Redetext hinaus nannte Benedikt vier maronitisch-katholische Dörfer im türkisch-zyprischen Norden der geteilten Insel und rief unter dem Beifall der Gläubigen aus: „Ich kenne eure Wünsche und Leiden, deshalb bitte ich euch, meinen Segen, meine Nähe und Zuneigung allen in euren Dörfern zu überbringen.“

Wie bereits im Vorfeld des ersten Papst-Besuches auf Zypern machten einige orthodoxe Metropoliten und Bischöfe deutlich, dass sie nichts mit dem „Häretiker“ aus Rom zu tun haben wollten: Bei dem gemeinsamen Mittagessen mit Erzbischof Chrysostomos II. fehlten 5 der insgesamt 17 orthodoxen Vertreter. Für sie ist die katholische Kirche mitverantwortlich für die Geschichte der Spaltung der Christenheit.

Eröffnet hatte Benedikt den Besuchstag mit einem Plädoyer für eine Politik der Moral und der Wahrheit. Wenn die Politik national und international von den Eigeninteressen und parteilichem Druck gereinigt werden könnte, stünde sie auf einer festeren Grundlage, sagte er bei einem Treffen mit Diplomaten und politischen Vertretern. Vor allem in Ländern in einer schwierigen politischen Lage könnten ehrliche und offene Beziehungen zwischen Personen und auch zwischen Institutionen allen dienen, so Benedikt. Die seit 1974 geteilte Insel kommt auf ihrem Weg zur Wiedervereinigung nicht entscheidend voran.

Benedikt traf sich am Samstag kurz auch mit einem der religiösen Vertreter des muslimischen Nordteils der Insel, Scheich Nazim. Der 89-jährige Nazim ist der Führer einer Sufi-Brüderschaft. Er traf sich mit dem Papst an der Kirche des Heiligen Kreuzes in der Pufferzone zwischen den griechisch- und dem türkisch-zyprischen Teil der Insel. Das Treffen hat nach Angaben von Vatikan-Sprecher Federico Lombardi „etwa drei bis vier Minuten gedauert“. Am Ende des Treffens umarmten sich der Papst und der muslimische religiöse Führer.

Bereits am Vormittag hatte Vatikan-Sprecher Lombardi es klargestellt, der Papst verstehe seine Reise als religiös und nicht politisch. „Er betet, spricht und denkt im Sinne der ganzen Bevölkerung der Insel“, sagte Federico Lombardi. Am Freitag war Benedikt zum Auftakt der Reise in Paphos von Tausenden von Gläubigen aus der Region empfangen worden.

dpa