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Panorama Ein Rap auf die Ausbildung!
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19:48 28.04.2014
Der Imagefilm soll Lust auf das Hotel- und Gaststättengewerbe machen.
Der Imagefilm soll Lust auf das Hotel- und Gaststättengewerbe machen. Quelle: Screenshot YouTube-Video
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Potsdam

"HO, so einen Job, das hättest du gerne? – GA, komm zum Hotel und Gaststättengewerbe!" – So hört es sich an, wenn die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam einen Imagefilm für Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe produziert, um damit Jugendliche für eine Ausbildung im Land Brandenburg zu begeistern.

In vier Minuten werden darin die Berufsbilder Koch/Köchin, Restaurantfachfrau/-mann, Fachfrau/-mann für Systemgastronomie, Hotelkauffrau/-mann, Fachkraft im Gaststättengewerbe und Hotelfachfrau-/-mann vorgestellt – und das Ganze klingt in etwa so sexy und spannend wie die soeben erfolgte Aufzählung.

Man mag den Detailreichtum der Texte bewundern: "Es gibt noch 9 Flaschen Riesling und 11 Flaschen Rosé – Ich hab alles im Blick, wir haben noch 10 mal portugiesischen Weißherbst und wir brauchen Cabernet". Doch die Reime ("Hi, seid willkommen, ich bin Restaurantfachmann – Geht's um Organisation, gebe ich den Takt an") gehen schnurstracks an der Zielgruppe vorbei, an die man sich anbiedert. Auch warum die Protagonisten in dem Clip unentwegt auf "modernen optischen Elementen, die an Tablet und Smartphone erinnern" (O-Ton IHK) herumdrücken müssen, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Die "Einfach nur peinlich"-Ausrufe vor den Computerbildschirmen lassen bestimmt nicht lange auf sich warten.

Prominente Vorbilder

Auch andere Unternehmen versuchen bei Jugendlichen mit Rap zu punkten, doch einige beweisen damit eher, wie man potentielle Bewerber abschreckt.

Edeka kann das eigentlich: Die Lebensmittelmarke ist bekannt für seine schrägen, oft auch richtig witzigen Werbespots. Mit seinem Imagefilm aus dem Jahr 2012 will das Unternehmen eigentlich junge Leute dazu motivieren, ein Praktikum bei der Lebensmittelkette zu beginnen. Doch die Daumen der Zuschauer gehen angesichts von drei sich durch eine Edeka-Filiale rappenden Jungs nach unten. Die sich aufdrängenden Gedanken nimmt ein Protagonist sogar selbst schon zu Beginn des Songs vorweg: "Oh man, du denkst, der Typ ist nicht ganz klar – steht hier rum und labert was von Praktikum bei Edeka."

Als das Negativbeispiel schlechthin gilt das Video des Autoherstellers BMW, in dem die schiefen Reime ("Siehst du nicht den Sinn, mit 'nem Praktikum bei BMW kannst du nur gewinn'") nur noch von der unterirdischen Performance getoppt werden. Für ihren peinlichen Praktikumsaufruf in Videoform bekam BMW im Jahr 2012 die "Silberne Sellerie" für das schlechteste deutsche Webvideo. Die Silberne Sellerie ist sozusagen die Goldene Himbeere für Onlinefilme. Vergeben wurde die Auszeichnung im Rahmen der Internetkonferenz Re:publica in Berlin.

Peinlicher als die Polizei erlaubt wird es bei, na klar: einem Imagevideo der Ordnungshüter. Zwei rappende Polizisten aus NRW haben 2013 für einige Lacher gesorgt. Ihre "Skills" stellen sie unter anderem mit folgenden Textpassagen unter Beweis:

Okay, Torben, alter Checker, eins, zwei, drei,
du hattest dich beworben, Torben, ja du warst so frei. [...]
Ab sofort wirst du hier nach dem Rechten schauen
und darauf achten, dass die Homies keine Scheiße bauen.

Abgelesen von einem Blatt Papier ist die Rapeinlage so schlecht, dass es körperlich weh tut. Doch im Gegensatz zu den IHK-, BMW- und Edeka-Videos war diese Reaktion durchaus gewollt – denn die "Polizisten" sind Schauspieler, bekannt aus der Polizeidoku-Satire "Alles in Ordnung", die vor einigen Jahren auf Pro7 lief. Die beabsichtigte Breitenwirkung hat die nordrhein-westfälische Polizei jedenfalls erreicht: Mehrere Hunderttausend Menschen sahen sich das Video an.

IHK geht mit dem Film auf Reise

Die IHK meint es jedoch ernst mit ihrem Imagefilm. Dieser entstand in Zusammenarbeit mit dem Aktionszentrum Multi Media GmbH aus Potsdam Babelsberg. Der Clip ist online auf YouTube und auf der Homepage der IHK Potsdam zu sehen und wird laut IHK auch bei den Veranstaltungen der Initiative "Mach es in Brandenburg" eingesetzt.

r.

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