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Panorama „Phantom“-Ermittlungspanne: Medizintechnik-Firma wehrt sich
Nachrichten Panorama „Phantom“-Ermittlungspanne: Medizintechnik-Firma wehrt sich
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17:22 27.03.2009
Die in die Kritik geratene Probeentnahme-Firma Greiner Bio-One (GBO) hat Vorwürfe zu verunreinigten Analyseprodukten zurückgewiesen. Quelle: Michael Latz/ddp
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Die Abstrichbestecke der Firma seien ausschließlich für den Einsatz im medizinischen Bereich geeignet, sagte der Geschäftsführer der Greiner Bio-One (GBO), Heinz Schmid am Freitag in Frickenhausen. Eine Verwendung für die sogenannte molekulardiagnostische Analyse, also einem DNA-Test auch für kriminalistische Zwecke, sei nicht vorgesehen, sagte Schmid.

Das Unternehmen, das die Probeentnahmebestecke vertreibt, habe sich nichts vorzuwerfen, da klar gewesen sei, dass diese nicht zur DNA-Analyse geeignet seien, fügte Schmid an. „Das steht in der Gebrauchsanweisung ausdrücklich so drin.“

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Die Wattestäbchen werden durch GBO von der Firma Böhm Plastic Group in Tettau (Bayern) über einen norddeutschen Importeur bezogen. Die Montage der Stäbchen zu einem Probeentnahmebesteck mit Kunststoffröhrchen und dem dazugehörigen Verschluss werden von der Firma Böhm vorgenommen.

Das fertig verpackte Abstrichbesteck, das schließlich am Firmensitz der GBO in Frickenhausen verschweißt wird, wird mit ionisierenden Strahlen sterilisiert. „Bereits vorhandene DNA-Verunreinigungen menschlichen oder tierischen Ursprungs können durch eine derartige Sterilisation jedoch nicht beseitigt werden“, machte Schmid klar. Er erklärte am Freitag ergänzend, dass der GBO viel daran liege, den „Vorgang zur Aufklärung zu bringen“.

DNA-Verunreinigungen sind laut Schmid wohl nur an zwei oder drei Orten in der Produktionskette möglich. Das sei zum einen bei der Produktion der Watte in China oder Ägypten und der Aufbringung auf das Stäbchen. Weitere DNA-Spuren könnten bei der Montage in Bayern aufgetragen worden sein. Bei der Firma Böhm seien bereits DNA-Untersuchungen vorgenommen worden.

Schmid machte klar, dass dem Unternehmen nicht bekannt war, für welche Zwecke die verschiedenen Landeskriminalämter, die pro Jahr rund 20 000 Abstrichbestecke bei GBO beziehen, die Produkte verwenden. Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) hatte am Donnerstag rechtliche Schritte gegen die Firma angekündigt. Schmid erklärte am Freitag, dass er dieser Drohung gelassen entgegen sehe.

BKA-Chef Jörg Ziercke machte am Freitag klar, dass die Instrumente bei der Spurensicherung „noch steriler“ als bisher gemacht werden müssten. Verurteilungen aufgrund von DNA-Beweisen hält Ziercke für verlässlich. In diesen Fällen hätten die Spuren mit einem konkreten Verdächtigen abgeglichen werden können. Dasselbe gelte für die DNA-Datei.

Datenschützer mahnten derweil einen sorgsameren Umgang mit DNA-Spuren an. Der aktuelle Fall zeige, wie gefährlich es sei, diesem Verfahren zu vorbehaltlos zu vertrauen, sagte der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix am Freitag.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass es die im Zusammenhang mit dem Heilbronner Polizistenmord und rund 40 anderen Straftaten gesuchte Frau möglicherweise nicht gibt. Ob die Polizei tatsächlich seit Jahren aufgrund verunreinigter Wattestäbchen eine falsche Spur verfolgte, wird voraussichtlich nächste Woche feststehen.

ddp