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Panorama Fährt Honeckers Regierungszug bald wieder?
Nachrichten Panorama Fährt Honeckers Regierungszug bald wieder?
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22:15 24.11.2015
Der Pianist Axel Zwingenberger hat schon 25 der ehemaligen DDR-Regierungswaggons gekauft. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Ahrensburg/Wittenberge.

Drehbare Polstersessel an langen Tischen, luxuriöses Holzfurnier an den Wänden, dazu ein paar Farbtupfer in Knallorange: Das Design könnte aus einem James-Bond-Film stammen - tatsächlich ziert es die 25 Waggons des Salonzuges der DDR-Regierung. Alle Größen des Arbeiter- und Bauernstaates hat der Luxuszug transportiert, heute steht er in Wittenberge und gehört einem echten Zugfan: dem Jazzpianisten Axel Zwingenberger. „Ich musste die Waggons einfach nehmen“, erklärt der 60-Jährige aus Ahrensburg. „Sonst wären sie verschrottet worden, das konnte und wollte ich nicht zulassen.“

"Alles, was man haben kann"

1970 rollte der Sonderzug von Ost-Berlin in Richtung Kassel zum Treffen mit Bundeskanzler Willy Brandt. Es war der schönste der ganzen DDR, eigens gebaut für die Regierung des Arbeiter- und Bauernstaates. Aller Welt sollte er zeigen, wie modern und schick es zuging in der „Ostzone“. An Bord der Nobeleisenbahn: DDR-Ministerpräsident Willi Stoph mit seinem gesamten Arbeitsstab. Mit Volkskammerabgeordneten, mit Köchen, Kellnern, Begleitpersonal. „Die hatten alles, was man haben kann“, sagt der heutige Besitzer.

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Als 1970 der nigelnagelneue Zug zum Gipfeltreffen in Kassel-Wilhelmshöhe einrollte, war Zwingenberger Schüler, fand Boogie-Woogie und lange Haare toll - und hatte ansonsten ganz andere Sorgen. Inzwischen ist sein Schnauzbart grau, die Haare sind (etwas) kürzer und Boogie-Woogie spielt er immer noch.

Züge zu sammeln aber ist seine neue Leidenschaft. Anfang der 90er Jahre begann er für ein Buchprojekt die letzten fahrenden Dampfloks bei Nacht zu fotografieren. „Dadurch bekam ich viele Kontakte zur Eisenbahnszene“, sagt er.

Wagen sind Kulturdenkmäler

Warum nicht ein Konzert in einem fahrenden Zug geben, überlegte er sich damals. Doch dazu brauchte er leere Reisewaggons mit genügend Platz. So wurde er auf die Salonzüge der DDR-Regierung aufmerksam. Bald darauf hörte er vom Verkauf eines dazugehörenden Wagens - und beschloss, ihn zu erwerben. Es war der Beginn einer Sammlung, die weltweit ihresgleichen sucht. Und die nicht nur ein skurriles Hobby ist: „Diese Wagen sind Kulturdenkmäler von nationaler Bedeutung“, betont Zwingenberger. Das hat ihm das Land Sachsen-Anhalt, wo seine Sammlung steht, sogar schriftlich gegeben.

Auf einem Abstellgleis in Wittenberge harren die Waggons ihrer weiteren Verwendung. Rostig, mit Grafitti besprüht, teils mit eingeschlagenen Scheiben, ist mit ihnen derzeit rein äußerlich kein Staat zu machen. „Aber das Material ist top“, schwärmt Zwingenberger. „Da muss man nur ein bisschen den Rost runterschleifen, darunter ist genug gesunde Substanz.“

Fast alles ist original

Begeistert zeigt er das Innere der schallgedämpften Wagen. Einige sind als Küche eingerichtet, es gibt den mit Telefonen, Funk- und Fernschreibegeräten ausgerüsteten Wagen des Verteidigungsministeriums und sogar ein rollendes Lazarett mit Operationsraum. „Für den Katastrophenfall“, erklärt der stolze Besitzer.

Noch ist fast die gesamte Originalausstattung da, wenn auch etwas angeschlagen. „Es muss jetzt etwas passieren“, findet Zwingenberger. Lange Standzeiten und Vandalismus haben den historisch wertvollen Einzelstücken zugesetzt. Die Sammlung, gesteht der Zugfan, fordere ihn sowohl zeitlich wie finanziell „ausreichend“. „Selbst der Kauf zum Schrottwert geht schließlich ins Geld.“

Von Marcus Stöcklin

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