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Panorama Plädoyers verzögern sich
Nachrichten Panorama Plädoyers verzögern sich
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12:13 18.05.2009
Der Angeklagte im sogenannten Holzklotz-Prozess, Nikolai H. (r.), sitzt in Oldenburg vor dem Landgericht neben seinem Anwalt Wilfried Behrendt (Foto vom 13.02.09). Quelle: David Hecker/ddp
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Verteidiger Matthias Koch beantragte unter anderem, das gesamte Verfahren unter dem vom Landgericht bislang abgelehnten Einsatz eines Dolmetschers zu wiederholen, mehrere Briefe seines Mandanten aus der russischen Sprache ins Deutsche übersetzen zu lassen sowie die Gutachten weiterer Sachverständiger einzuholen. Zudem solle der Rechtspsychologe Max Steller, der das später widerrufene Geständnis des Angeklagten Nikolai H. für glaubhaft befunden hatte, als befangen abgelehnt werden.

Koch verlangte unter anderem das Gutachten eines kalifornischen Psychologen, der ein TV-Interview von H. auf dessen nonverbales Verhalten analysieren solle. Der heute 31-jährige Angeklagte war darin vor seiner Festnahme als angeblicher Zeuge aufgetreten. Das Gutachten werde erweisen, dass die damaligen Angaben seines Mandanten der Wahrheit entsprächen, sagte Koch. H. wolle sich zudem einem Lügendetektortest unterziehen, hieß es in einem der insgesamt 13 Anträge. Die Verteidigung beantragte zusätzlich eine Untersuchung des Angeklagten mittels der sogenannten funktionalen Magnettomographie, die anhand der Abläufe im Gehirn zwischen wahrheitsgemäßen Angaben und Lügen unterscheiden lasse.

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Staatsanwaltschaft Stefan Schmidt und der Vertreter der Nebenklage, Oliver Niedostadek, verlangten die Abweisung sämtlicher Anträge, über die die Richter zunächst bis zum Mittag beraten wollten. Laut Anklage soll der aus Kasachstan stammende, aber seit rund 15 Jahren in Deutschland lebende H. am Ostersonntag 2008 einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz von einer Autobahnbrücke nahe Oldenburg auf ein Auto geworfen haben. Das Geschoss tötete die 33-jährige Beifahrerin. H. hatte nach seiner Festnahme vor einem Jahr zunächst die Tat gestanden, bevor er dies später widerrief.

Das vom Psychologen Steller für glaubhaft befundene Geständnis gilt als wichtigstes Beweismittel des Prozesses.

afp