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Panorama Polanskis Anwälte beantragen Freilassung bei Schweizer Justiz
Nachrichten Panorama Polanskis Anwälte beantragen Freilassung bei Schweizer Justiz
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16:56 29.09.2009
Sticker für die Freilassung von Roman Polanski. Quelle: afp
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Derweil meldeten sich auch kritische Stimmen zu dem französisch-polnischen Filmemacher, dem bei einer Auslieferung in die USA wegen Vergewaltigung bis zu fünfzig Jahre Haft drohen.

Polanski müsse „schnellstens“ freikommen, forderte sein französischer Anwalt Hervé Témime, wenn auch möglicherweise unter Auflagen. Die Staatsanwaltschaft Los Angeles verwahrte sich derweil gegen Vorwürfe, jahrelang nichts für die Festnahme des Filmemachers getan zu haben, der sich in den 70er Jahren an einem 13-jährigen Mädchen vergangen hatte. Die US-Behörden hätten immer wieder Kontakt mit anderen Staaten aufgenommen, um seine Festnahme und Auslieferung zu erreichen, erklärte die Staatsanwaltschaft am Montag (Ortszeit). Zuletzt seien in den Jahren 2005 und 2007 Versuche fehlgeschlagen, den heute 76-jährigen Regisseur in Thailand und Israel festzunehmen.

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Polanski war 1978 aus den USA geflohen, um einem Schuldspruch zu entgehen. Der damals 43-jährige Filmemacher hatte das junge Mädchen im Haus von Hollywoodstar Jack Nicholson missbraucht und musste sich wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten.

Die US-Tageszeitung „Los Angeles Times“ berichtete, Polanskis eigene Anwälte in den USA hätten durch Kritik an den Behörden möglicherweise ungewollt die überraschende Festnahme in der Schweiz provoziert. Die Verteidiger hätten im Juli geschrieben, die Staatsanwaltschaft habe in den vergangenen 30 Jahren nichts getan, um Polanskis Auslieferung zu erreichen. Offensichtlich sei es den Ermittlern lieber, den Regisseur fernzuhalten, als das 32 Jahre alte Verfahren um sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen aufarbeiten zu müssen.

US-Kultregisseur Woody Allen, der deutsche Filmemacher Wim Wenders und Starregisseur Martin Scorsese unterzeichneten der französischen Filmvereinigung SACD zufolge eine Petition für Polanskis Freilassung. Zurückhaltender äußerte sich Polanskis französischer Kollege Luc Besson im französischen Sender RTL. Er kenne den Filmemacher und möge ihn sehr gern, sagte Besson. „Aber die Justiz ist für alle gleich.“ Er habe selbst eine 13-jährige Tochter; wenn sie vergewaltigt werden würde, würde er nicht gegen die Verhaftung des Täters protestieren. Auch der grüne Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit wies darauf hin, dass es immerhin um die Vergewaltigung einer Minderjährigen gehe.

Polanski hatte sich seinerzeit schuldig bekannt, war aber vor dem Schuldspruch nach Europa geflohen. Bei einer Abschiebung und einer Verurteilung in den USA drohen ihm bis zu fünfzig Jahre Haft.

Polanskis Opfer, die heute 45-jährige Samantha Geimer, hatte dem Filmemacher vor mehreren Jahren öffentlich vergeben, dabei aber wiederholt, dass er sie seinerzeit vergewaltigt habe. „Er hat mir Champagner eingeflößt und mir (das Rauschmittel) Quaalude gegeben, dann hat er mich missbraucht.“ Wenige Wochen nach Geimers Aussage im März 2003 wurde Polanski für seinen autobiografischen Film „Der Pianist“ in Hollywood mit dem Oscar geehrt, den er wegen der Affäre nicht selbst entgegennehmen konnte.

afp

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Nach der Festnahme von Starregisseur Roman Polanski in der Schweiz wollen seine Anwälte eine Auslieferung an die USA verhindern. „Wir werden seine Freilassung fordern. Und dann werden wir die Auslieferung bekämpfen“, sagte der Anwalt Hervé Témine der französischen Zeitung „Le Figaro“ vom Montag.

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