Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Polizei fasst erneut verdächtigen Autobrandstifter
Nachrichten Panorama Polizei fasst erneut verdächtigen Autobrandstifter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:59 07.09.2011
Die Berliner Polizei hat innerhalb weniger Tage einen dritten Verdächtigen erwischt. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Der massive Polizeieinsatz gegen die Autobrandstifter in Berlin zeigt Wirkung: Eine Woche nach ersten Festnahmen hat die Polizei erneut einen Verdächtigen gefasst. Am frühen Mittwochmorgen stellten Fahnder den 28-jährigen Mann in der Kreuzberger Schönleinstraße, wie ein Sprecher mitteilte. Er soll zuvor ein Motorrad und ein Auto in der Böckhstraße angezündet haben. Das Pikante: Der Mann wurde bereits im März dieses Jahres wegen ähnlicher Taten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, wie die „Berliner Zeitung“ (Donnerstag) berichtete.

Bei dem Prozess vor dem Landgericht gestand der Mann damals zwei Brandanschläge, das Gericht sah aber keine politische Motivation. Die Strafe lautete auf 22 Monate Gefängnis mit Bewährung. Als der Mann im September 2010 auf frischer Tat ertappt worden war, war er betrunken.

Anzeige

In der Nacht zu Mittwoch soll er nun erneut gezündelt haben. Die Polizei bestätigte den Zeitungsbericht nicht, wies ihn aber auch nicht zurück. Der Festgenommene wurde den ganzen Tag vernommen. Details wurden nicht genannt. Der Mann sei der Polizei aber bereits bekannt, hieß es.

Bereits am 30. August waren in Prenzlauer Berg eine 23 Jahre alte Frau und ein 27 Jahre alter Mann festgenommen worden. Sie gestanden, zuvor einen BMW angezündet zu haben. Die Polizei ging zunächst davon aus, dass es sich bei ihnen um Nachahmungstäter handele. Die beiden sitzen noch in Untersuchungshaft. Ein Anwohner hatte die Brandstifter beobachtet und die Polizei verständigt.

Anfang August hatte eine Serie von Brandstiftungen an Autos in verschiedenen Stadtteilen Berlins für bundesweites Aufsehen gesorgt. Seit Jahresanfang wurden in der Hauptstadt weit über 500 Autos durch Feuer zerstört oder beschädigt.

Auch in der Nacht zum Mittwoch gab es weitere Brandstiftungen an Fahrzeugen im Stadtgebiet. In Marzahn in der Raoul-Wallenberg-Straße ging ein Motorroller in Flammen auf. In der Rauchstraße in Spandau wurde ein BMW angezündet, zwei danebenstehende Autos wurden ebenfalls beschädigt. Ein Kommissar bemerkte in Rudow im Bildhauerweg/Ecke Sattlerstraße ein kleines Feuer an einem Auto und löschte die Flammen.

Ein Passant entdeckte am frühen Morgen in der Neuköllner Straße in Rudow Flammen an einem Lastwagen. Mit einigen Ästen schlug er das Feuer aus. Den Brand an einem weiteren Auto in der Nähe konnte der 60-Jährige ebenfalls löschen.

In allen Fällen prüft der polizeiliche Staatsschutz, ob es ein politisches Motiv für die Brandstiftungen gibt. Etwa die Hälfte der Taten aus diesem Jahr verübten laut Polizei politisch motivierte Brandstifter aus linksextremen Kreisen. Sie zielen vor allem auf teure Automarken wie Audi, BMW und Mercedes.

Nach einem Bericht des ARD-Magazins „Panorama“ (Donnerstag) könnte die tatsächliche Zahl der linksmotivierten Brandanschläge niedriger sein. Grund: Die Statistik sei ungenau, da es in vielen Fällen zu wenig Indizien gebe.

Ob linksextrem oder nicht: Die Brandstifter sind in der Regel schwer zu fassen. So wurde zum Beispiel in der Nacht zum Mittwoch in Marzahn ein mutmaßlicher Täter beobachtet, er entkam auf einem Fahrrad. Seit zwei Wochen unterstützt die Bundespolizei mit Streifen die Berliner Polizisten bei der Suche nach Tätern. Der Einsatz kostet das Land Berlin jede Woche 250.000 Euro. Insgesamt sind Nacht für Nacht bis zu 650 Polizisten im Einsatz.

Im Jahr mit den bislang meisten Brandstiftungen - 2009 - wurden in Berlin mehr als 400 Autos angezündet, im Jahr 2010 waren es etwa 300. In den vergangenen Jahren hatte die Polizei nur einzelne Verdächtige gefasst. Mitte August wurde ein 43-jähriger Mann wegen versuchter Autobrandstiftung zu einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten verurteilt. In zwei anderen Prozessen wegen politisch motivierter Brandstiftungen gab es hingegen Freisprüche - aus Mangel an Beweisen.

dpa