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Panorama Polizei räumt wildes Flüchtingslager mit 280 Einwanderern
Nachrichten Panorama Polizei räumt wildes Flüchtingslager mit 280 Einwanderern
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13:10 22.09.2009
Die meisten Einwanderer ließen sich ohne großen Widerstand festnehmen.
Die meisten Einwanderer ließen sich ohne großen Widerstand festnehmen. Quelle: afp
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500 Polizisten rückten gegen 7.30 Uhr morgens an und lösten die wilde Siedlung binnen zwei Stunden auf. 276 illegale Einwanderer griff die Polizei auf, darunter 135 Jugendliche. Der Großteil der Flüchtlinge ging ohne Widerstand, nur eine kleinere Gruppe lehnte sich gegen die Räumung auf. Die vor allem aus Afghanistan geflohenen Jungen und Männer hatten mit Hilfe von Unterstützern Spruchbänder vorbereitet: "Frieden und Asyl" und "Wir brauchen eine Unterkunft und Schutz. Im 'Dschungel' sind wir zuhause", stand auf ihnen.

Die illegalen Einwanderer hatten teils Monate in notdürftigen Unterkünften in den Dünen zugebracht, in der Hoffnung, als blinde Passagiere auf Lastwagen nach Großbritannien weiterzureisen. Der "Dschungel" war die größte Flüchtlingszuflucht in Nordfrankreich, nachdem 2002 unter großen Protesten das Lager Sangatte des Roten Kreuzes aufgelöst worden war.

Auf französischem Boden dürfe nicht länger "das Gesetz des Dschungels" gelten, erklärte Einwanderungsminister Eric Besson. Die Siedlung im Nordosten von Calais sei kein Flüchtlingslager, "sondern der Stützpunkt der Schleuser" in Nordfrankreich. "Wir werden nicht zulassen, dass die Menschenhändler das Gesetz entlang des Ärmelkanals bestimmen."

Die Opposition warf der konservativen Regierung vor, die Lage der Migranten nur zu verschlimmern, die auf eine Weiterreise nach Großbritannien hofften. "Wie kann man Männer, Frauen und Kinder so behandeln, deren einziges Vergehen ist, dass sie vor dem Krieg und dem Elend geflohen sind?", fragte die Kommunistische Partei (PCF) und zeigte sich "schockiert". Der Gründer der französischen Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, sprach von einem "grausamen und obszönen Schauspiel", das "null Bedeutung" habe: Vor der Ankündigung hätten im "Dschungel" an die 900 Flüchtlinge gelebt, und die meisten von ihnen hätten vor der Räumung das Weite gesucht.

Der frühere Kulturminister und sozialistische Abgeordnete Jack Lang erklärte, es würden "sehr schnell neue 'Dschungel' entstehen". Die Zerstörung des Lagers werde nur dazu führen, dass die schwierige Lage der Flüchtlinge "verschleiert und vielleicht noch ein bisschen verschlimmert" werde.

afp