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Panorama Polizistengattin gesteht Tötung ihres Mannes
Nachrichten Panorama Polizistengattin gesteht Tötung ihres Mannes
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18:51 19.11.2009
Die im Prozess wegen Mordes an ihrem Mann angeklagte Heike S. sitzt in Augsburg (Bayern) in einem Saal des Landgerichts vor ihrem Anwalt Andreas Schwarzer (rechts). Laut Staatsanwaltschaft soll sie aus Eifersucht und wegen Geldsorgen ihren schlafenden Mann mit einem metallenen Zaunstück getötet haben. Quelle: ddp
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Vielmehr sei er während eines Streits auf sie zugekommen, und sie habe sich bedroht gefühlt. Schon längere Zeit habe sie unter ihrer Ehe sehr gelitten, mehrfach sei sie von ihrem Ehemann unter Alkoholeinfluss vergewaltigt worden.

Mehr als drei Stunden dauerte die Aussage von Heike S. am ersten Prozesstag vor dem Landgericht. Zunächst schilderte die schlanke, dunkelhaarige Frau ruhig die Anfänge ihrer Beziehung zu Thomas S. Das Paar hatte sich 2001 über das gemeinsame Hobby, den Hundesport, kennengelernt. Ein Jahr später beschlossen die beiden, ein Haus zu bauen - aufgrund von Fehlkalkulationen sollte es der Beginn ihrer finanziellen Sorgen werden.

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Das Paar verschuldete sich stark, 2006 gab es keinen anderen Ausweg mehr, als das gerade fertiggestellte Haus zu verkaufen. Trotzdem blieben Schulden von mehr als 30 000 Euro. Die finanzielle Schieflage belastete die im Frühjahr 2004 geschlossene Ehe derart, dass sie laut Heike S. „seit 2005 nicht mehr funktionierte“.

Ihr Mann sei nur auf seine eigenen Interessen bedacht gewesen, berichtete die Angeklagte. Um die gemeinsamen Kinder habe er sich nur selten gekümmert. Und da er immer mehr Alkohol getrunken habe, hätten sich die Streitereien gehäuft. Schließlich schilderte Heike S. unter Tränen, wie ihr Mann sie im alkoholisierten Zustand mehrfach vergewaltigt habe: „Es war widerlich. Aber als ich ihm damit drohte, zur Polizei zu gehen, meinte er nur, mir würde eh niemand glauben.“

Heike S. plante nach eigenen Angaben ihren Auszug. „Das Leben mit ihm war zum Weglaufen. Ich habe es nicht mehr ertragen.“ Ihrem Mann aber sei sein Image wichtig gewesen: Weder habe er vor Bekannten seine finanzielle Notlage zugeben wollen noch die Eheprobleme. Er habe nach außen „den lieben, netten Thomas“ gegeben.

Der Plan der Angeklagten, eine Abwesenheit ihres Mannes wegen einer Fortbildung für den Auszug zu nutzen, scheiterte: Silvester 2008 wurde der Hundeführer seiner Frau zufolge von seinem Diensthund gebissen. Dadurch sei das Tier für eine geplante Weiterbildung zum Sprengstoffhund ausgefallen. Thomas S. sei zudem für drei Wochen krankgeschrieben worden. „Man konnte sich nicht mehr aus dem Weg gehen“, berichtete die 34-Jährige. Streitereien und Vorwürfe seien an der Tagesordnung gewesen: „Alles geht in einem kaputt.“

Am 23. Januar 2009 kam es dann zur Tat. „Ich bin völlig abgedreht, ich konnte es nicht mehr ertragen“, sagte die Angeklagte. Gegen 5 Uhr sei es zu einem Streit gekommen. Als Thomas S. dabei vom Sofa aufgestanden und einen Schritt auf sie zugekommen sei, habe sie sich bedroht gefühlt - nach einem metallenen Zaunpfahl gegriffen und auf ihren Mann eingeschlagen. „Danach konnte ich nicht fassen, was ich da getan hatte“, erzählte sie. An Einzelheiten könne sie sich nicht erinnern. Auch nicht, warum sie ihrem Mann am nächsten Morgen die Beine abtrennte, bevor sie die Leiche in der Nähe eines Feldwegs entsorgte.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten heimtückischen Mord vor. Anhand der im Wohnzimmer gefundenen Blutspritzer geht sie davon aus, dass der Ehemann bei der Tötung auf dem Sofa lag und schlief. Dafür spricht laut Anklagebehörde zudem, dass keine Abwehrverletzungen festgestellt wurden. „Ein Polizist ist darauf trainiert, sich verteidigen zu können“, argumentierte die Staatsanwaltschaft.

Die Darstellung der Anklagebehörde, Heike S. habe vor der Tat durch eine SMS von einer Affäre ihres Mannes mit ihrer besten Freundin erfahren und auch aus Eifersucht gehandelt, wies die 34-Jährige zurück. Sie habe von der Affäre nichts gewusst, sagte sie: „Und selbst wenn, wäre es mir egal gewesen. Ich hatte emotional abgeschlossen.“ Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

ddp