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Panorama Polizei beendet Polterabend – Gäste erstatten Anzeige
Nachrichten Panorama Polizei beendet Polterabend – Gäste erstatten Anzeige
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18:40 13.08.2018
Die Braut Celine L. nach der Pfefferspray-Attacke der Polizei.
Die Braut Celine L. nach der Pfefferspray-Attacke der Polizei. Quelle: Privat
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Potsdam

In Potsdam ist am Freitagabend ein Polizeieinsatz offenbar aus dem Ruder gelaufen. Nach Vorwürfen eines entfernteren Nachbarn wegen Ruhestörung durch einen Polterabend sei gegen 22.19 Uhr eine vierköpfige Einsatzgruppe in Schutzausrüstung angerückt und habe die etwa 15 Partygäste im Hof aufgefordert, die Musik leiser zu drehen und ins Haus zu gehen, wo sich weitere fünf Gäste aufhielten. Julia Hüller aus Caputh (Brandenburg) berichtet, Polizei und Gäste hätten sich geeinigt, die „ohnehin nicht sehr laute Musik“ im Hof noch leiser zu stellen. „Das war Hintergrundmusik; wir konnten uns dabei gut unterhalten“, versichert Hüller: „Wir hatten nur eine kleine Bose-Box auf dem Buffet.“

Der Polterabend ist nach Darstellung seiner Gäste ganz unpolterig und ruhig verlaufen. Quelle: privat

Fotos zeigen eine beschaulich wirkende Party

Das Publikum habe zur einen Hälfte aus Gästen zwischen 35 und 40 und zur anderen aus Gästen jenseits der 50 bestanden, darunter den Eltern des Bräutigams, alles keine Krachmacher, heißt es. Fotos zeigen eine beschaulich wirkende Party. Trotzdem sei die Einsatztruppe um 23.48 Uhr wieder dagewesen. Der Hauseigentümer habe den Beamten zunächst den Zutritt verwehrt doch wenig später seien sie trotzdem im Hof gewesen; sie müssen, so nehmen Gäste an, das Tor und einen Zaun überklettert haben. Den zehn noch verbliebenen Feiernden sei bedeutet worden, sofort zu gehen. „Das war wie bei einer Bombendrohung“, erzählt Hüller: „Die wollten alle vom Grundstück führen und haben das Haus dicht gemacht. Da schliefen aber kleine Kinder, zwei, vier und sechs Jahre alt. Die Eltern durften nicht mehr zu ihnen.“

Der Polterabend in der Puschkinallee weckte den Zorn eines Nachbarn. Die Polizei löste die Party auf. Quelle: Privat

„Jetzt zeigen wir es euch, ihr Anwaltssöhne“

Mehrere Gäste gaben zu Protokoll, einer der Beamten habe gesagt „Jetzt zeigen wir es euch, ihr Anwaltssöhne“ oder „den reichen Anwaltssöhnen werden wir es mal zeigen“. Die Polizei äußerte sich am Montag zu den Vorhaltungen nicht und erklärte, die Polizisten ihrerseits seien von einem 34-Jährigen beleidigt worden, offenbar dem Bräutigam. Der erklärte, er habe entsprechend der polizeilichen Anweisung seinen Ausweis aus dem Haus holen wollen, sei aber daran gehindert worden und in Panik geraten. Drei Polizisten hätten ihn verfolgt, zu Boden gerissen, seinen Kopf verdreht, einen Arm auf den Rücken gedreht. Ein Polizist soll ihm das Knie auf die Kehle gedrückt haben, so dass er eine Weile keine Luft mehr bekam und um Hilfe schrie, als sich der Druck lockerte.

Christian M. und Celine L. feierten am Freitag Polterabend, machten aber heftige Bekanntschaft mit der Polizei, die ihre Party zwangsweise beendete. Quelle: Privat

Ohne Vorwarnung Reizgas ins Gesicht gesprüht

Die Braut habe die Schreie ihres Mannes gehört und sei zu ihm geeilt, als sie mit ihrem Ausweis aus dem Haus kam, berichtet ein Zeuge. Ein Beamter, den sie dabei streifte, habe ihr aus etwa einem Meter Entfernung ohne Vorwarnung Reizgas direkt in die Augen gesprüht. Auch ein weiterer Gast und der Hauseigentümer bekamen demnach Reizgas ab. Jemand rief den Notarzt; der die Reizgasopfer behandelte.

Der Bruder des Bräutigams hat zu Protokoll gegeben, angesichts der verfahrenen Situation, in der Gespräche mit den Polizisten nicht mehr möglich gewesen seien, habe er sich am Buffet ein Brötchen schmieren wollen. Ein Beamter habe geschrien „Er hat ein Messer!“ – der Gast ließ es nach eigener Schilderung fallen. Man habe ihm Handschellen angelegt, ihn abgeführt und, zusammen mit dem Bräutigam, in Einzelzellen in Gewahrsam genommen. Beide seien gegen Morgen entlassen worden.

Polizei leitete Strafverfahren gegen zwei Männer ein

Die Polizei schildert das Geschehen völlig anders. Ihr zufolge hat der Bräutigam nicht etwa seinen Ausweis aus dem Haus holen, sondern sich der Personalienfeststellung entziehen wollen. Er habe sich dann mit Tritten gegen die Polizisten gewehrt, was die Partygäste als klaren Abwehrversuch sehen, sich unter Atemnot wieder Luft zu verschaffen. Ein 36-Jähriger sei mit dem Messer auf die Beamten zugegangen, lautet die Interpretation der Polizei für das vorgebliche Brötchenschmieren: Man habe den Mann mit Pfefferspray gestoppt und weitere Einsatzkräfte zu Hilfe gerufen. Gegen die beiden festgesetzten Männer sei ein Strafverfahren eingeleitet worden.

Von RND/MAZ/Rainer Schüler