Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Protest nach Spanferkelgrillen im Hildesheimer Dom
Nachrichten Panorama Protest nach Spanferkelgrillen im Hildesheimer Dom
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:32 07.09.2011
Ein Handwerkerfest in der Baustelle des Hildesheimer Doms mit Spanferkel und Kölsch-Bier hat große Wellen geschlagen. Quelle: Bischöfliche Pressestelle Hildesheim
Anzeige
Hildesheim

Ein Handwerkerfest in der Baustelle des Hildesheimer Doms mit Spanferkel und Kölsch-Bier hat hohe Wellen geschlagen. Nach Protestbriefen in der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung" über das in dem Gotteshaus aufgespießte Ferkel sah sich das Bistum inzwischen zu der Erklärung genötigt, man habe religiöse Gefühle nicht verletzen, sondern sich für die harte Arbeit der Handwerker bedanken wollen. Dass Bischof Norbert Trelle, der lange Jahre in Köln zu Hause war, Kölsch statt dem örtlichen Einbecker zapfen ließ, brachte weitere Leser auf die Palme.

Über die Baustellenparty hatte zunächst das Bistum gut gelaunt berichtet: "Kölsch statt Kelch, Kartoffeln statt Kommunion!", hieß es in einer Pressemitteilung. "Der Anblick war gewöhnungsbedürftig, nicht nur für fromme Katholiken: Wo einst die Orgelempore stand, wälzte sich ein Spanferkel im eigenen Sud. Wo früher Beichtstühle Vergebung verhießen, sorgten lange Biertische für Gemütlichkeit", berichtete die Kirche am Tag danach. Mit öffentlicher Aufregung hatte wohl kaum jemand gerechnet. Von einer Diskussion, die in den vergangenen Tagen "irrationale Ausmaße" angenommen hat, spricht man inzwischen beim Bistum. Pressebericht samt Foto vom Spanferkel wurden von der Homepage entfernt. "Es wäre vermutlich klüger gewesen, das Spanferkel schon servierfertig anzubieten und auf eine Berichterstattung zu verzichten", lautet einer der nüchternsten Beiträge im Online-Forum der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung".

Anzeige

Andere hauen richtig drauf: "Wenn Sie gerne Kölsch mögen, dann gehen Sie doch zurück nach Köln und lassen sich von Ihrem Amt entbinden, denn weder für die von Ihnen veranstaltete 'Schweinerei', noch für ein in Hildesheim kaum bekanntes Nichtbier hat hier irgendjemand Verständnis", empört sich ein Leser. "Die konservativen Spießer, die sich darüber aufregen, sollten sich mal überlegen, weshalb die Kirchenaustritte zunehmen und sich die Jugend abwendet", hält ein anderer dagegen. "Ich selbst bin 28 und empfinde sowas auch als positives Zeichen nach außen. Scheinheiligkeit braucht keiner vorheucheln. Dann doch lieber die Sau auf der Baustelle braten."

Andere Protestler sehen in dem Spanferkelgrillen gar eine Unterstützung der Massentierhaltung - es sei ein Bioferkel aus ökologischer Haltung gewesen, erfährt man woanders. Und die Bauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen: In die laufende Sanierung des zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Doms fließen rund 30 Millionen Euro. Das Gotteshaus soll im August 2014 wieder eröffnet werden.

dpa

Panorama Mehr als 700 Häuser zerstört - Flächenbrände in Texas breiten sich aus
07.09.2011